Astigmatismus – die Verkrümmung der Hornhaut – kann operativ korrigiert werden

Ein Knick in der Optik

Millimeterarbeit am Auge: Bei einer Operation wird zunächst die alte Linse entfernt. Danach wird die Position der neuen Linse bestimmt und markiert, bevor sie dann eingepasst wird. Fotos: Hütz/Klinikum

? Woher kommt der Astigmatismus, also die Verkrümmung der Hornhaut im Auge?

! Eine Hornhautverkrümmung ist genetisch vorbestimmt, also normalerweise angeboren. Von einem geringen Astigmatismus sind etwa vier bis fünf Prozent der Bevölkerung betroffen, stärkere Verkrümmungen der Hornhaut sind noch seltener.

? Wie wirkt sich diese Verkrümmung aus?

! Im Auge gibt es, wie bei der Erdkugel, zwei Meridiane, die unterschiedlich gekrümmt sind. Die Differenz zwischen beiden Krümmungen ist der Astigmatismus. Man kann das wie in der Geometrie mit einem Radius ausdrücken - typischerweise sind das etwa 7,8 Millimeter. Die Differenz zwischen beiden Radien kann man auch in Dioptrien ausdrücken, also in der Maßzahl, die die Stärke der Brillengläser, beschreibt. Bei einem gesunden Auge mit einem Astigmatismus von nur einer Dioptrie sinkt die Sehschärfe auf nur noch 50 Prozent. Astigmatismus wirkt sich also aus wie eine Kurzsichtigkeit.

? Woran merkt man, speziell bei Kindern, dass eine Hornhautverkrümmung vorliegt?

! Man muss die Sehschärfe prüfen und die Brechkraft des Auges vermessen. Meist wird diese Art der Fehlsichtigkeit bei den Vorsorgeuntersuchungen für den Kindergarten oder die Schule entdeckt. Schlimm ist es, wenn diese Verkrümmung nur auf einem Auge vorliegt. Daraus kann sich dann eine Schwachsichtigkeit entwickeln, weil das Gehirn von einem Auge ein scharfes und vom anderen ein unscharfes Bild erhält. Nach einigen Jahren verfestigt sich diese Störung und kann nicht mehr beseitigt werden. Man muss die Fehlsichtigkeit früh feststellen und mit Brille ausgleichen. Zusätzlich müssen davon betroffene Kinder vorübergehend auf dem gesunden Auge eine Augenklappe tragen, damit das schwächere Auge trainiert wird. Bei kleinen Kindern steigt die Sehkraft danach sehr schnell an.

? Ab wann wird der Astigmatismus operiert?

! In der refraktiven Chirurgie versucht man, durch Augen-Operationen dem Patienten ein Sehen ohne Brille zu ermöglichen. Eine Fehlsichtigkeit in Ferne und Nähe kann dabei beispielsweise mit dem Laser korrigiert werden. Aber nicht alle Sehstörungen lassen sich so beheben. Höhere Fehlsichtigkeiten lassen sich nur mit Linsen, die ins Auge eingesetzt werden, ausgleichen. Diese können sowohl bei Kurz- oder Weitsichtigkeit aber auch bei Astigmatismus helfen.

? Was sind das für Linsen?

!Diese Linsen sind etwa sechs Millimeter im Durchmesser und bestehen aus einem flexiblem Acryl. Sie lassen sich zusammenrollen und können durch einen kleinen, etwa drei Millimeter langen Schnitt ins Auge eingeführt werden. Die Linsen werden hinter der Regenbogenhaut platziert. Dort entfalten sie sich und verwachsen mit dem Auge. Die astigmatischen Linsen müssen zudem in eine bestimmte Achsenposition ausgerichtet werden. Das wird vor der Operation genau vermessen und markiert.

? Welche Risiken gibt es bei der Operation?

! Die Operation unterscheidet sich nicht von den anderen Augen-Operationen. Natürlich birgt jede Operation das Risiko einer Infektion. Jede künstliche Linse kann sich anfangs verlagern, so dass der Sitz nachträglich korrigiert werden muss. Das trifft besonders für die Linsen zu, die einen Astigmatismus korrigieren, da diese Linsen genau in der richtigen Achse sitzen müssen. Fällt bei einer frühen Kontrolle auf, dass die Linse verrutscht ist, wird sie wieder in die richtige Position gedreht. Der Prozentsatz, wo das passiert, ist verschwindend gering.

? Tut die Operation weh?

! Die Operation erfolgt in örtlicher Betäubung. Schmerzen nach dem Eingriff gibt es eigentlich nicht, es bedarf deshalb auch keiner speziellen Schmerztherapie nach der Operation. Die Schnitte im Auge sind nur sehr klein. Nach der OP tritt ein gewisses Fremdkörpergefühl auf, so als ob man ein Sandkorn im Auge hat. Außerdem kann man nach der Operation sofort wieder sehen – und zwar ohne Brille.

? Was kostet ein solcher operativer Eingriff, und wer zahlt dafür?

! Will der Patient nur seine Brille los werden, muss er alles selbst zahlen, und das kostet etwa 2000 Euro pro Auge. Dagegen wird die Behebung des Grauen Stars ohne Einschränkung von der Kasse bezahlt. Soll allerdings eine Linse eingesetzt werden, die den Astigmatismus korrigiert, müssen die Mehrkosten vom Patienten getragen werden. Die Kosten liegen bei 800 Euro pro Linse und Auge.

? Wem raten Sie zu einer solchen Operation?

! Im Rahmen einer Operation des Grauen Stars sollte ein Astigmatismus von mehr als einer Dioptrie auf jeden Fall korrigiert werden, damit der Patient später ohne Brille sehen kann. Liegt kein Grauer Star vor, sondern nur eine Fehlsichtigkeit mit Astigmatismus, ist die Korrektur eine Art Schönheitsoperation mit dem Ziel, das Tragen einer Brille überflüssig zu machen.

Deshalb liegt bei diesen Eingriffen die Messlatte auch besonders hoch. Die Komplikationsrate ist niedriger als etwa bei einer Blinddarmoperation. Der Erfolg des Eingriffs ist hoch. Dennoch muss jeder für sich entscheiden, ob er einen solchen Eingriff vornehmen lassen will, oder sich lieber weiterhin mit der Brille behilft.

Quelle: HNA

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