Vor 30 Jahren haben die letzten Landwirte ihren Abschluss in Bebra gemacht

In der Kneipe zum Meister

Vergangene Zeiten: Vor 30 Jahren haben die Landwirte von links Karl Claus, Reinhold Kerst, Heinrich Stückrath und Hans Heinzerling ihren Meister gemacht. Den Artikel vom Abschluss hat Kerst sich aufgehoben. Foto: Verena Koch

Bebra. „Wisst ihr noch, als ich damals auf dem Weg zur Prüfung umgekippt bin?“, sagt Hans Heinzerling und lacht. Vor 30 Jahren hat er zusammen mit sieben Landwirten aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg seinen Meister beim Hessischen Amt für Landwirtschaft gemacht.

Sie waren der letzte Jahrgang, der die Prüfung bei der Außenstelle in Bebra gemacht hat. Noch während die Landwirte für ihren Meister lernten, wurde sie geschlossen. Der Lehrgang wurde dann kurzerhand in die Kneipe verlegt. Nun haben sich vier der Prüflinge auf dem Hof von Reinhold Kerst in Niedergude wiedergetroffen.

Seit zehn Jahren waren Kerst, Heinzerling, Karl Claus und Heinrich Stückrath nicht mehr in dieser Besetzung zusammen. Dementsprechend viel hatten sie sich zu erzählen. „In der Landwirtschaft hat sich viel verändert“, sagt Heinzerling. „Ich bewundere wirklich jeden, der das heute noch macht.“ Mit einem Hof sei nur noch etwas zu verdienen, wenn man gut ausgebildet ist.

Mit der bestandenen Meister-Prüfung dürfen er und die anderen ihr Wissen auch an Lehrlinge und Praktikanten weitergeben. „Angefangen haben wir mit unserer Weiterbildung beim Landwirtschaftsamt in Bebra“, sagt Kerst. Dann seien die Zuständigkeiten neu aufgeteilt worden, und das Amt wurde geschlossen. „Gelernt haben wir danach in einer Gaststätte in Friedlos“, sagt der 64-Jährige. Da gab es dann auch schon mal ein oder zwei Bier während des Unterrichts zu Buchhaltung und Rhetorik.

Das gemeinsame Drücken der Schulbank verbindet die Bauern. Bei ihrem Treffen kamen sie prompt ins Plaudern: Über Brüssel, die Familie, die eigenen Betriebe und natürlich den Lehrgang zum Landwirtschafts-Meister.

18 Monate hat die Vorbereitung auf die Prüfung gedauert. Zu den Hauptlehrgängen ging es nach Friedrichsdorf im Taunus. Dort mussten die Landwirte, zu denen auch Heinrich Barlet, Heinrich Grebe, Gerhard Schimmelpfeng und Karl Wegfahrt gehörten, ihre Abschlussprüfung machen. „Wir hatten alle einen Vollerwerbsbetrieb und waren schon über 30 Jahre alt“, sagt Heinzerling. Das sei manchmal schon etwas viel gewesen.

„Zum Glück haben wir es alle gut überstanden“, sagt Kerst und grinst. Auch ihm, Claus und Stückrath ist der Aussetzer von Heinzerling bei der Prüfung noch in Erinnerung. „Ich bin eben nicht der Nervenstärkste“, sagt Heinzerling, lacht und zuckt mit den Schultern.

Von Verena Koch

Quelle: HNA

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