Klavier-Kabarettist Martin Zingsheim war Gast des Kulturzugs Bebra

Am Camping-Flügel: Martin Zingsheim aus Köln bescherte dem Publikum einen amüsanten Silvesterabend. Foto: Schäfer-Marg

Bebra. Er spielt mit der Sprache, spitzt böse zu und schämt sich auch nicht, den einen oder anderen platten Kalauer auf der Bühne rauszuposaunen:

Der junge Kabarettist Martin Zingsheim ließ seinem Publikum am Silvesterabend im Alten Rathaus Bebra keine Zeit zum entspannten Zurücklehnen. Die Pointen kamen wie ein Trommelfeuer. Wer abschaltete, verpasste die durchaus auch zum Teil groben Scherze.

Sprache, Liebe, Politik - das waren die nicht eben eng gesteckten Themenfelder, auf denen sich der 28-Jährige mit seinem Programm „Opus Meins“ bewegte. Bleiben wir bei der Liebe, diesem gesellschaftlich sanktionierten Sozialfaschismus. Denn wie will man es anders nennen, wenn die Liebe über ein Paar kommt? Man findet sich, isoliert sich sozial und erlebt am Ende das Stockholm-Syndrom, das heißt, nach langer Zweisamkeit bleibt dem Paar der IQ eines Wasa-Knäckebrots. Ihm selbst ging es nicht anders, bis er sich von seiner Erika Esoterika endlich trennte.

Ein bisschen Politik, ein bisschen Kirche - Martin Zingsheim macht da keinen großen Unterschied. Muss er auch nicht, gehört ja alles irgendwie zusammen - wenn etwa Joachim Gauck in der Bundesrepublik gottähnlichen Status erhält. Der protestantische Bundespräsident kommt vergleichweise glimpflich davon, die katholische Kirche eher nicht. Denn: „Wenn wir Deutschen tatsächlich alle Papst wären, gäbe es weniger Missbrauchsfälle - die aufgeklärt würden.“

Martin Zingsheim spottet über die Alt-68er, die schlechte Frisuren als Grundrecht betrachten, Hermann van Veen mögen, der mit lustigem Akzent „das Elend der Welt zu holländischem Geld“ macht“, die alles bio wollen und bereit sind, dafür aberwitzig zu zahlen.

Wenn er parodiert am Klavier oder seinem Camping-Flügel, einer Art Mini-Keyboard, zeigt er seine wirklich großartige Musikalität. Seine „Ballade pour Adeline“, in der er abzweigt zu Falcos „Jeanny“, und „Roxanne“ von Police, die er in Kinski- beziehungsweise Dylan-Manier persifliert, macht dem Publikum einfach nur Spaß.

Im Nebenberuf schreibt Martin Zingsheim übrigens Doktorarbeiten - das ist Schavansinn und macht echt Arbeit. Das glaubt das Publikum gern, nach gut eineinhalb Stunden amüsiert in die letzte Nacht des Jahres 2012 entlassen wurde.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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