Kleinkunst gegen Mordgelüste

Ausverkauft: Zum Kirmesauftakt spielte Kabarettistin Carmen Ruth in einer bestens besuchten Lüdertalhalle. Das Publikum spendete der Aschaffenburger Künstlerin viel Applaus. Foto: Meyer

Lüdersdorf. Carmen Ruth hat 20 Jahre lang als Lehrerin gearbeitet und dann festgestellt, dass sie keine Kinder mag. Wahrscheinlich stimmt das sogar, und die Kabarettistin aus Aschaffenburg, deren Auftritt am Freitagabend den Auftakt zur Lüdersdorfer Kirmes bildete, trägt diesen gravierenden Satz so kaltschnäuzig vor, dass man erst nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll - dann aber doch lacht.

Von der Lust am Verbotenen, vom Blick hinter die Fassaden, von der heimlichen Sehnsucht nach Mord und Totschlag handelt Carmen Ruths Programm und entpuppt sich tatsächlich als Aufruf zum großen Ausbruch aller Frauen aus ihrer Rolle. „Frauen brauchen keine Männer. Damit die Menschheit nicht ausstirbt, würde ein Mann genügen.“

Aus Liebe erstochen werden

Carmen macht Carmen zu ihrer Leitfigur, die Carmen aus der Oper: Carmen ist wunderschön, Carmen nimmt sich jeden Mann, den sie will, und keinen, der nach der Tagesschau pupsend auf dem Sofa sitzt. Die Carmen auf der Bühne wünscht sich nichts mehr, als von dem Mann, der sie liebt, erstochen zu werden, aus Liebe. Schön sein, ja: „Wer hat die Scheiße erfunden, dass am Ende die innere Schönheit zählt?“

Am stärksten ist ihr Programm, als sie aus der Schule berichtet und vom heimlichen Wunsch, Schulrat, Eltern und Schüler abzustechen. Aber warum sich selbst die Hände schmutzig machen: Ihr Schüler Friedhelm war schon fast so weit, Amok zu laufen. „Manchmal muss man seinen Schülern auch was zutrauen.“ Der Satz bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Am Ende gibt es viel Applaus vom Publikum in der ausverkauften Lüdertalhalle für die dichtende, singende, Gitarre und Ukulele spielende Kabarettistin mit dem verschmitzten Gesicht, die zwischendurch auch noch verraten hat, warum sie auf die Kleinkunstbühne geht: „Damit ich nicht morde, im Affekt.“ (zmy)

Quelle: HNA

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