Bunter Konzertabend in seltener Besetzung im Bürgerhaus

Kleine Delikatessen

Obersuhl. Kommentar eines Besuchers, dem die Musik gefallen hat: „Es musste ja für jeden etwas dabei sein.“ Eben. Gilt Obersuhl doch eher als Hochburg volkstümlicher Musik, da kann man dem Publikum mit Klassik pur nicht kommen. Nicht mit Streichquartett, Klaviertrio, Duosonate, den zentralen Gattungen der Kammermusik.

Dass diese „Kammermusik“ am Samstagabend vor stattlichen hundert und mehr Zuhörern im Bürgerhaus ausgesprochen bunt werden würde, kündigte sich bereits mit der Besetzung des Podiums an. Die Querflötistin Sabine Kaufmann, Obersuhlerin, aber längst in Hannover heimisch, hatte von dort zwei Kolleginnen mitgebracht: die Bratschistin Annette Langehein und die Sängerin Sylvia Bleimund. Die dritte, die Pianistin, war erkrankt und wurde durch Christian Schulte ersetzt.

Gesang, Flöte, Viola, Klavier – eigentlich eine abenteuerliche Formation, die auf keine Originalwerke zurückgreifen kann und für ein solches elfteiliges Mischprogramm plus zwei Zugaben wohl noch nie antrat. Das Abenteuer begann mit Henry Purcell im Barockzeitalter und führte ziemlich chronologisch weiter über Bach, Robert Schumann, Gabriel Fauré, Maurice Ravel, Alexander Glasunow, Léo Delibes und Alfredo Catalani bis hin zu Astor Piazzolla, dem heimlichen Regenten des Abends.

Vokaler Turbo feinmotorisch

Seine Stücke sollen deshalb genannt werden: die historische Station „Café 1930“ aus der vierteiligen „Histoire du Tango“ (Geschichte des Tangos), ein weiterer Tango, „La Muerte d’Angel“ (Der Tod des Engels), und als erste Zugabe ein „Ave Maria“. Der Rausschmeißer war dann Paul Linckes „Glühwürmchen-Idyll“. Darin wird naturgemäß auch die „Liebesseligkeit“ der flimmernden, schimmernden Tierchen besungen.

Musizierseligkeit, die darf auf jeden Fall dem Künstler-Kleeblatt des Abends attestiert werden. Zuerst der Sängerin: Sylvia Bleimund, gestandene Opernsopranistin, war folglich bei Catalanis „Ebben“ (auch ein Kino-Ohrwurm) in ihrem dramatisch-leidenschaftlich-ausdrucksmächtigen Metier. Und zeigte in Liedbeiträgen von Schumann, Ravel und Delibes, wie ein vokaler Turbo gewissermaßen auch feinmotorisch wirkt.

Sabine Kaufmann und Annette Langehein agierten im instrumentalsolistischen Umfeld – mit quicken, eleganten Flötengirlanden die eine, die andere mit sonorem Bratschenton die Tenorregion ausfüllend. Der Pianist, durchgängig im Einsatz, leistete den unverzichtbaren Dienst als umsichtiger, sattelfester Begleiter. – Alles in allem: Auch kleine Delikatessen verschaffen Genuss.

Von Siegfried Weyh

Quelle: HNA

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