Kirmes-Sperrzeiten: Nicht alle machen mit

Hersfeld-Rotenburg. Nicht auf allen Volksfesten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg werden die von der Bürgermeister-Dienstversammlung angedachte Öffnungszeit-Verkürzungen gelten.

Die Stadt Heringen und die Gemeinde Philippsthal haben angekündigt, die vom Ludwigs-auer Bürgermeister Thomas Baumann vorgestellte Vereinbarung nicht zu unterzeichnen. Das Papier sieht unter anderem vor, dass Festveranstaltungen spätestens um drei Uhr in der Nacht enden und eine halbe Stunde später der Veranstaltungsort geräumt werden soll. Außerdem sind einheitliche Lärm- und Jugendschutzauflagen vorgesehen.

„Ich habe die Vereinbarung nicht unterzeichnet. Zum einen, weil ich genau weiß, dass wir gewiss nicht besser waren als die heutige Jugend, und zum anderen, weil ich unseren jungen Leuten auch kein Unrecht tun und sie wider besseres Wissen nicht vorverurteilen will“, schreibt Heringens Bürgermeister Hans Ries in einer Pressemitteilung. Beim jüngsten Stadtfest mit 25 000 Gästen sei keine Beschwerde eingegangen. „Nein, so diszipliniert, zielgerichtet, ehrgeizig und besonnen wie die Jugend heute, waren wir sicher nicht“, schreibt Reis. Der Heringer Magistrat habe daher beschlossen, der Vereinbarung nicht zuzustimmen. Ein abschließendes Urteil soll nun die Stadtverordnetenversammlung in einer ihrer kommenden Sitzungen fällen.

Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth betont, dass der Jugendschutz in der Werragemeinde ernstgenommen werde. Vorgespräche mit dem Veranstalter, der Einsatz eines Sicherheitsdienstes und unterschiedlich gefärbte Kennzeichnungsbändchen seien bei Kirmesveranstaltungen in der Großgemeinde längst gängige Praxis. Verkürzte Öffnungszeiten hält Orth allerdings für kontraproduktiv. „Probleme gab es bisher nicht, wenn aber bis um 3.30 Uhr das Festzelt oder beim Weinfest der Schlosspark geräumt werden sollte, könnte das Konflikte auslösen“, fürchtet der Bürgermeister. Der Gemeindevorstand habe daher die Zustimmung versagt.

Der Rotenburger Bürgermeister Christian Grunwald erklärte, es sei richtig, über eine solche Regelung zu sprechen. Allerdings sei sie nur sinnvoll, wenn alle Städte und Gemeinden im Kreis mitmachten. „Einheitlich oder gar nicht“, betonte Grunwald, der von Sonderregelungen in einzelnen Gemeinden nichts hält.

Offenbar ist in der Bürgermeister-Dienstversammlung vereinbart worden, in den Gremien in den Gemeinden über das Thema zu sprechen. Während Neuenstein, Hohenroda und Friedewald zustimmen wollen, ist in anderen Gemeinden die Entscheidung über die Sperrzeitregelung noch nicht gefallen. In Nentershausen wird sich der Gemeindevorstand am 28. Februar mit dem Thema befassen. (jce/ank)

Quelle: HNA

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