Kirchner wirbt weiter, wenige Besucher kommen

Preist seit Jahren die Fotovoltaik an: Hemdsärmelig, beredsam und mit reichlich Fakten bewaffnet tritt Firmeninhaber Lars Kirchner jeden ersten Freitag im Monat vor das Publikum, um über Solarstromanlagen zu informieren. Seit der Krise der Branche und dem Verfall der Einspeisevergütung kommen nur noch wenige Interessenten zu den Veranstaltungen, die früher gut besucht waren. Foto: Janz

Heinebach. Seit Jahren lädt die Kirchner Solar Group (KSG) jeden ersten Freitag im Monat zu einem Informationsabend ein. Früher saßen hundert und mehr Interessenten beim Heinebacher Fotovoltaikanbieter, aßen Würstchen, schlossen Verträge. Das hat sich völlig gewandelt.

Seit zwei Jahren ist die Stimmung schlecht, wenn es um Sonnenstrom vom Dach geht. Die Krise der Branche, Insolvenzen, sinkende Einspeisevergütungen und die EEG-Umlage dominieren die öffentliche Debatte. Das schlägt sich auf die Besucherzahl nieder.

Inzwischen liefert KSG-Inhaber Lars Kirchner nur noch vor einer Handvoll Menschen seine Solarshow ab, in der er mit Witz und reichlich Fakten für Fotovoltaik wirbt. Sein Mantra lautet noch immer: „Noch nie war der Zeitpunkt so günstig, um in Fotovoltaik zu investieren.“ Nur macht er neuerdings eine Einschränkung: „Es lohnt sich noch immer, aber unter ganz anderen Voraussetzungen.“

Heute komme es nämlich nicht mehr darauf an, möglichst viel Strom zu verkaufen, sondern so viel wie möglich davon selbst zu verbrauchen. „Wenn man ganz fair rechnet, dann kommt man auf Erzeugerpreise von acht bis neun Cent für die solare Kilowattstunde Strom“, sagt Kirchner und rechnet das gegen die etwa 28 Cent, für die Haushalte ihren Strom einkaufen. Darin steckt die Rendite.

„Noch nie war der Zeitpunkt so günstig, um in Fotovoltaik zu investieren.“

Die Netzparität (Stichwort) wurde bereits 2012 erreicht, doch anstatt das zu feiern, „hat die Branche bunte Schilder gemalt und unter dem Brandenburger Tor gegen die EEG-Novellierung protestiert“, sagt Kirchner, der ein Loblied auf das Ende der Subventionierung singt.

Sie sorgte nämlich auch für einen rasanten Preisverfall bei den Solarmodulen. Hausanlagen, die noch vor wenigen Jahren mehrere Zehntausend Euro kosteten, sind heute für 5000 bis 8500 Euro zu haben. Nur wissen das die Kunden nicht: „Es ist schade: Heute ist die Fotovoltaik finanziell interessant, aber jetzt sagen alle, sie wollen sie nicht mehr.“

Vor den Wenigen, die das noch wollen, wirbt Kirchner dafür, das eigene Haus ganz auf den Eigenverbrauch von Solarstrom einzustellen: Heizen mit einer Wärmepumpe, den gut isolierten Gefrierschrank in der Nacht abschalten, die Waschmaschine tagsüber laufen lassen.

Ralf Eidt ist einer im Publikum. Der Landwirt aus Hattenbach ist seit elf Jahren KSG-Kunde aus Überzeugung: „Das Beste, was uns je passiert ist, war die Fotovoltaik.“ Skeptisch war er nur, ob die Wärmepumpe sein Haus aus den 70er-Jahren so heizen kann, wie Kirchner es versprochen hat. Sie kann.

Nun wartet Eidt auf eine Speicherlösungen, um völlig unabhängig von Stromanbietern zu sein. Doch davon rät Kirchner derzeit noch ab. Die Batterien sind noch nicht wirtschaftlich genug. „Da muss man einfach ehrlich sein“, sagt Lars Kirchner.

Nächster Infoabend der Kirchner Solar Group: Freitag, 7. November, 18 Uhr, Heinebach, Auf der Welle 8.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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