Das Kilo Hasch neben dem Bett

Bad Hersfeld. Mehr als ein Kilo Marihuana hat ein 36-jähriger Bad Hersfelder auf seinem Dachboden mit einer professionellen Anlage angebaut. Deswegen verurteilte das städtische Schöffengericht den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.

Er muss zudem 1000 Euro an die Suchthilfe Fleckenbühl zahlen.

1115 Gramm der Droge sowie die Aufzuchtanlage mit einem geschätzten Wert von 3000 bis 4000 Euro fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung im April dieses Jahres. Auf den Angeklagten wurden die Ermittler aufmerksam, weil von ihm in Österreich bestellte Hanf-Pflanzen einige Monate zuvor am Leipziger Flughafen sichergestellt worden waren. Dieses Vergehen ahndete Richter Michael Krusche ebenfalls mit dem Urteil. Allerdings nur geringfügig, da die sogenannten Stecklinge noch nicht den Wirkstoff THC enhielten, wie ein Polizeibeamter als Zeuge schilderte.

Ganz anders war das bei dem Marihuana auf dem Dachboden des Bad Hersfelders. Dort lag der THC-Wert bei zirka 63 Gramm. Die „nicht geringe Menge“ von 7,5 Gramm war damit um fast das neunfache überschritten. Laut des geständigen und schon bei der Durchsuchung kooperativen Mannes sei das alles zum Eigenverbrauch wegen einer Abhängigkeit gedacht gewesen. „Ich wollte nicht mehr für teures Geld am Markt kaufen oder von Dealern betrogen werden“, sagte er.

Nie habe er Weiterverkauf in Betracht gezogen. „Ich hatte nicht vor, anderen damit zu schaden. Es ist schon schlimm genug, dass ich mir selbst geschadet habe“, beteuerte er. Mehr als ein Gramm täglich habe er geraucht. „Aber immer allein.“ Die Beziehung zu seinem Ehemann, der im Erdgeschoss der gleichen Hauses gelebt habe, sei zu dieser Zeit problematisch gewesen.

Richter Krusche gab zu Protokoll, dass tatsächlich keine Hinweise auf Drogenhandel vorliegen. Das bestätigte der anwesende Polizist in seiner Aussage. Wenngleich Zweifel bestünden, dass diese Menge Marihuana für den Eigenbedarf gedacht gewesen sei, wie er ergänzte.

„Bedenklich ist aber, dass ihr 16-jähriger Sohn der Polizei schon aus Drogenkreisen bekannt ist. Es muss davon ausgegangen werden, dass ihm der Zugang als Mitbewohner zu Marihuana zumindest erleichtert wurde“, sagte Krusche in seiner Urteilsbegründung zum Angeklagten.

Seine Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Er muss sich regelmäßig Drogen-Tests unterziehen und eine Suchtberatung besuchen. Diesen Auflagen wolle der 36-Jährige gerecht werden. „Ich war ein schlechtes Vorbild für meinen Sohn“, sagte er abschließend.

Von Florian Künemund

Quelle: HNA

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