Hans-Joachim Kirsch hat in Bebra eine Begegnungsstätte für Hilfebedürftige ins Leben gerufen

Kein Heiliger, aber ein Helfer

In der Begegungsstätte der Herzen in Bebra: Hans-Joachim Kirsch, Zweiter von rechts, mit von links Thorsten Stiehl, Heiko Amend, Ingo Dörfert, Hans-Joachim Kirsch und Katrin Bluhm. Foto: Schankweiler-Ziermann

Bebra. Brot und Brötchen werden schon lange nicht mehr in der ehemaligen Bäckerei Budesheim verkauft. An der Gilfershäuser Straße ist vielmehr ein Treffpunkt entsandten: Hier kommen Menschen hin, die allein sind, krank, gebrechlich. Solche, die Hunger haben.

Jeden Tag essen 40 Männer und Frauen hier zu Mittag. Zwischen 11 und 11.30 Uhr ist der ehemalige Laden voll. Dann gibt es Linsensuppe, Kartoffelpuffer oder Schnitzel mit Käsesoße - futtern, wie bei Muttern. Heiko Amend steht in der Küche, Ingolf Dörfert hilft ihm - alles ehrenamtlich. Aber der Motor der „Begegnungsstätte der Herzen“ ist Hans-Joachim Kirsch.

Er ist so etwas wie der Hans-Dampf in allen Gassen, wenn irgend jemand Hilfe braucht. Morgens um 10 Uhr holt er Oma Katrin ab, die sonst allein zu Hause wäre. Sie ist halbblind und dankbar für das Essen und die Gesellschaft in der Begegnungsstätte. Auf dem Weg besucht Kirsch einen Mann, der sich wegen einer üblen Schuppenflechte nicht mehr aus dem Haus traut. Fahrten zum Arzt, Krankenbesuche, Hilfe auf den Ämtern, bei der Bank oder vor Gericht, beim Umzug, Wäschewaschen oder einkaufen für Alleinstehende bis hin zum Zuschuss für Kinderschuhe und sogar Sterbebegleitung: Kirsch ist in solchen Fällen da. Ein Schwerpunkt für ihn ist das warme Mittagessen. Das gibt es für Kinder kostenlos. Der älteste Essensgast ist Karl (94). „Die meisten sind alt und einsam“, sagt Kirsch. Zwei Dutzend der Mahlzeiten werden täglich zu Menschen gebracht, die selbst nicht kommen können. Vor gut sechs Jahren hat Kirsch die Begegnungsstätte aus der Taufe gehoben.

„Immer mehr Menschen haben keinen zum Reden“, sagt er, „junge Mütter können nicht mehr kochen“. Kirsch leistet soziale Arbeit, ohne dafür bezahlt zu werden. Dabei ist er selbst so krank, dass er nicht mehr erwerbstätig sein kann. Viel ruhiger war sein Job zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn bei der Bahn. Da saß er am Fahrkartenschalter und stellte bald fest: „Das will ich nicht.“ Kirsch erzählt von einer intensiven Begegnung mit Gott. Der habe ihn gefragt, ob er weiter rauchen, saufen und stehlen wolle. Dann habe er - auch unter dem Einfluss eines katholischen Priesters, sein Leben umgekrempelt, begann mit 18 Jahren eine Pflegeausbildung, besuchte ein Predigerseminar und lernte später auch noch Tischler.

Kirsch versteht sich als Christ, und als solcher sollte man tätig sein und nicht nur unter Seinesgleichen bleiben, sagt der 58-Jährige. Als sein Bemühen um Drogenabhängige in Bebra an der Zusammenarbeit mit den Baptisten scheiterte, hat er sich zehn Jahre nicht weiter ehrenamtlich engagiert. Dann steuerte sein Leben auf einen Tiefpunkt zu, auf allen Ebenen, auch gesundheitlich. Doch er habe den Mut nicht aufgegeben, erzählt Kirsch, „weil Gott mir hilft“.

Er sei kein Heiliger, aber ein Stehaufmännchen. Das Vertrauen, das die Menschen in ihn setzen, lässt ihn immer weitermachen. Sie kommen zu ihm, wenn der Kittel brennt, sagen auch seine Mitstreiter. Zu denen gehören neben den genannten auch Ulrike Teufel, Thorsten Stiehl, Monika Maske und Hans-Peter Krause.

Hätte er drei Wünsche frei, so würde er mehr Menschen wünschen, dass sie Gott erleben, wünschen, dass Christen auch wirklich Christen sind, und dass die Armut in den Familien in Bebra abnimmt.

„Ich schaue ihnen ins Gesicht und sehe, dass sie HartzIV-Empfänger sind“, beschreibt Kirsch die Armut, die offenbar wird. Aber auch einen ganz persönlichen Wunsch hat Kirsch noch: „Wenn ich älter bin, möchte ich nach Irland ziehen.“ Zu Freunden.

Quelle: HNA

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