Bauforscher räumt mit Mythen auf und erklärt Geschichte der Jakobikirche

Kein Gang zum Schloss

Imposant und markant: Die Jakobikirche in Rotenburg sieht nach der Sanierung wieder prachtvoll aus. Im Sommer soll auch die Innensanierung abgeschlossen sein. Den im 19. Jahrhundert erneuerten Turmaufsatz nannte ein Chronist „elend-modern“. Fotos: Schäfer-Marg

Rotenburg. Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen: Nein, es gab nie einen unterirdischen Gang von der Rotenburger Jakobikirche aus zum Schloss. Und nein, der Stadtbrand war nicht Anlass, ein Gotteshaus zu errichten. Das war nämlich 1478 im Bau schon sehr weit vorangekommen. Und der heute als geheim bezeichnete Raum im oberen Geschoss der Sakristei barg früher Archiv und Schätze.

Das sind nur einige Erkenntnisse, die Mitarbeiter des Marburger Instituts für Bauforschung bei ihrer Untersuchung der Kirche herausgefunden haben. Die Erforschung war in Zusammenhang mit der Sanierung der Kirche in Auftrag gegeben worden. Elmar Altwasser stellte kürzlich auf Einladung des Fördervereins Kirchensanierung und des Geschichtsvereins Ergebnisse vor. Nach seinen Erkenntnissen ist die doppelgeschossige Sakristei im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts errichtet worden – vermutlich als Anbau an eine romanische Kirche, über die jedoch nichts weiter bekannt ist. Die Sakristei hatte – das ist ungewöhnlich – einen sakralen Charakter, sogar mit Platz für einen Altar.

Der Chor ist nach Einschätzung von Elmar Altwasser nach Abbruch des Chores der Vorgängerkirche gebaut worden, etwa von 1430 bis 1450. Damit fing der eigentliche Neubau der Kirche an. Das frühere Langhaus wurde wohl weiter genutzt, bis der Chor stand, dann abgebrochen und bis etwa 1477 neu gebaut. Säulen waren darin übrigens nicht installiert, jedoch Pfeiler.

Größere Turmsteine

Der Turm wurde als letzter Bauabschnitt in Angriff genommen. Er unterscheidet sich sehr von den übrigen Bauwerken. Die verwendeten Steine wurden zu größeren Quadern gehauen – dies geschah auch noch sorgfältiger als bei den verwendeten Steinen der übrigen Kirchenteile. Der Turm muss gegen 1500 fertig gewesen sein. Sein Schaft wurde schon in den 90er-Jahren des 15. Jahrhunderts gebaut.

Seine damalige Dachform ist heute unbekannt. In den 40er-Jahren des 16. Jahrhunderts bekam er ein Fachwerkobergeschoss mit Kreuzdach und einer so genannten welschen Haube, die damals häufig beim Turmbau ausgewählt wurde. Diese Haube wurde wohl 1788 abgebrochen und etwa 1819 durch den heutigen Aufsatz ersetzt.

Umgebaut und renoviert wurde an und in der Jakobikirche auch im Laufe der folgenden Jahrhunderte.

Ein paar Beispiele: • Das spätmittelalterliche Dachwerk wurde 1608 abgerissen und neu errichtet, diesmal mit Hängewerken, die für Stabilität sorgten. • Bei einer Innenrenovierung 1682 sollen die Farben Blau und Schwarz dominiert haben. • Ab 1882 wird eine Renovierung geplant, Schäden am Dach sollen beseitigt werden. 1851/52 wurde eine neue Decke im Langhaus eingebaut. • 1908 Einbau einer elektrischen Beleuchtung. • Ab 1927 Gesamtrenovierung.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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