Karlheinz Bornschier hat ein Herz für seine Heimat

Hier kennt Karlheinz Bornschier jeden Stein: Der Ortsvorsteher ist in Süß aufgewachsen und hat später selbst dort gebaut. Das Dorf hat heute 435 Einwohner. Als Bornschier die ehrenamtliche Aufgabe als Ortsvorsteher übernahm, waren es noch über 600. Fotos: Dupont

Süss. Karlheinz Bornschier sitzt auf heißen Kohlen. Er schaut unruhig auf die Uhr. In zehn Minuten beginnt die Baustellenbesprechung für die Kanalarbeiten am Sperlingsberg in Süß.

Und da muss der Ortsvorsteher natürlich - möglichst pünktlich - dabei sein. Schon hat er seine Jacke geschnappt und ist weg.

Doch vorher hat sich der 64-Jährige Zeit genommen, zu erzählen, wie es ihm in den vergangenen 19 Jahren als Ortsvorsteher im Nentershäuser Ortsteil Süß ergangen ist. Eine Art Bilanz - denn am 2. Mai ist Schluss. Dann tritt der neue Ortsbeirat zum ersten Mal zusammen und wählt einen neuen Ortsvorsteher.

„Zeit für neue Ideen“

„Es ist an der Zeit, etwas kürzer zu treten“, sagt Bornschier dazu, dass er nicht länger für das Amt zur Verfügung steht. Jetzt sollen Jüngere mit neuen Ideen die Verantwortung übernehmen.

„Ich wollte mich nicht zurücklehnen und hoffen, die anderen werden es schon richten. Ich wollte mithelfen, etwas zu bewegen im Ort.“ Das war für Bornschier der Grund, Ortsvorsteher zu werden. Und etwas zu bewegen, das ist ihm - gemeinsam mit anderen engagierten Süßer Bürgern - gelungen. Gern schaut er zurück, auch auf die arbeitsreiche Zeit der Dorferneuerung, in der das Bürgerhaus zum attraktiven Treffpunkt umgestaltet wurde und die Grillanlage mit viel Eigenleistung neu entstand. 58 Bürger arbeiteten 1147 Stunden. „Die Dorferneuerung hat gezeigt, dass das Dorf, wenn es gefordert ist, zusammensteht“, betont Bornschier. Damals entstand auch das Buch „Süß - das Dorf und seine Menschen“, dessen Texte Anneliese Krauß-Neumann liebevoll zusammengetragen hat.

Mit dem Kirmeszug, den die Vereinsgemeinschaft 2015 wiederaufleben ließ, kehrte ein Stück Tradition zurück.

Vor Kurzem hat Bornschier zu einem kleinen runden Tisch eingeladen, der zur Integration der zehn Asylbewerber in Süß beitragen sollte.

Bornschier packt mit an - wenn es darauf ankommt. Auch Büsche schneidet er zurück oder informiert die Nentershäuser Verwaltung, wenn mal wieder der Griff der Tür zum Friedhof beschädigt ist.

In Süß ist in den vergangenen Jahren viel passiert: Unter anderem wurde das Bürgerhaus saniert und erweitert. Das Ehrenmal vor der Kirche wurde umgestaltet. Auf einer Metallplatte finden sich jetzt die Namen der im Ersten und Zweiten Weltkrieg Gefallenen. Bornschier hatte sich eine noch würdigere Form des Gedenkens gewünscht, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Disziplin, Ordnung und Sauberkeit sind ihm wichtig. Pingelig ist er. Das gibt er selbst zu. Und manchmal zu verbissen. „Ab und an muss mich meine Frau Brunhilde besänftigen, wenn ich zu ungeduldig bin, weil etwas nicht vorwärtsgeht“, erzählt Bornschier schmunzelnd. Korrekt, engagiert und immer mit einem offenen Ohr. So haben ihn auch die Süßer als Ortsvorsteher erlebt. Am Montag, 2. Mai, wird er um 20 Uhr noch ein letztes Mal die Ortsbeiratssitzung leiten, bis zur Wahl des neuen Ortsvorstehers. „Dann ist meine Mission beendet.“

Aber langweilig wird es dem 64-Jährigen nicht werden. Seine Enkel freuen sich, wenn ihr Opa mehr Zeit hat. Und es bleiben ja auch noch das Engagement im Parlament und als Kassierer des Fördervereins der Kirche in Süß, der Vorsitz im SPD-Ortsverein und nicht zuletzt sein Einsatz auf dem Fußballplatz.

Fußball ist seine große Leidenschaft. Sonntag für Sonntag übernimmt Bornschier den Sanitätsdienst bei den Seniorenmannschaften der SG Wildeck. „Ich mach' da den Mann mit der Eisbox“, erzählt er und lacht. Wenn irgendwo was zwickt, ist er zur Stelle. Und irgendwie beschreibt er damit - ohne es zu wollen - auch den Job eines Ortsvorstehers.

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Quelle: HNA

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