Armin Meiwes verspeiste sein Opfer

Kannibale von Rotenburg schockte vor zehn Jahren

Armin Meiwes

Rotenburg. Als an diesem Mittwoch vor zehn Jahren eine Pressemitteilung der Polizei die Redaktion erreichte, schauderte es die Journalisten: Ein Mann aus dem Rotenburger Ortsteil Wüstefeld, hieß es da, habe vor laufender Kamera einen Mann getötet, ihn zerstückelt und gegessen.

Der Fall war aufgeklärt, der Kannibale von Rotenburg, mit richtigem Namen Armin Meiwes, hatte ein Geständnis abgelegt.

Die Tat sorgte für Fassungslosigkeit in Rotenburg und für Entsetzen in der Region und ganz Deutschland. Selbst erfahrene Ermittler rangen um Fassung. Der damalige Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, Manfred Jung sagte: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Die HNA-Seiten von damals als pdf-Dokumente:

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Armin Meiwes hatte seinen Berliner Bekannten Bernd-Jürgen B. schon im Frühjahr 2001 getötet – offenbar mit dessen Einverständnis. Die Männer hatten sich im Internet kennengelernt, um ihre kannibalistischen und homosexuellen Neigungen auszuleben.

Was sich in dem großen Wüstefelder Fachwerkhaus von Armin Meiwes dann abspielte, übersteigt jegliche Vorstellungskraft. So schnitt Meiwes mit Einverständnis von Bernd-Jürgen B. dessen Geschlechtsteil ab und briet es. Später tötete Meiwes den Mann mit einem Stich in den Hals. Er fror das Fleisch portionsweise ein und aß es nach und nach. All das hielt Meiwes auf Videofilmen fest.

Einen Teil der Leiche hatte Meiwes im Garten seines Hauses vergaben. Die Polizei legte die Leichenteile an einem Wintertag mit einem Minibagger frei.

Doppelleben: Er war "Franky, der Metzger"

Die Titelseite der HNA vom 12.12.2002

So unvorstellbar die Tat des Kannibalen von Rotenburg ist, so nett war Armin Meiwes in Rotenburg. Die Nachbarn konnten nichts Schlechtes über ihn erzählen. Auch vor Gericht war Meiwes ganz anders, als sich viele Menchen einen Kannibalen womöglich vorstellen. Da saß ein gebildeter Mann, ordentlich gekleidet, der ruhig und fast gelassen in vollständigen Sätzen die schauerlichsten Dinge von sich gab.

Armin Meiwes wuchs allein mit seiner Mutter auf. Er wurde streng erzogen, war ein Einzelgänger, der nirgends mitmachte. Als die Mutter 1999 starb, blieb Meiwes allein in dem riesigen Fachwerkhaus im abgelegenen Rotenburger Stadtteil Wüstefeld zurück. Er war ein unauffälliger Nachbar, der nicht viel redete. Die Nachbarn wunderte es nur, dass es nie zu einer festen Beziehung mit einer Frau kam.

An der Arbeit, als Kollege, wurde Armin Meiwes geschätzt. Bei der Bundeswehr war er zwölf Jahre ein untadeliger Soldat, später, als Computerfachmann bei einem Kasseler Rechenzentrum, ein beliebter Spezialist. Niemand ahnte, dass Armin Meiwes ein Doppelleben führte.

Wenn er allein war in dem riesigen Rotenburger Haus, tauchte er ab in die Tiefen des Internets. Er war zu Hause auf der schwarzen Seite des Netzes – dort, wo alle Perversitäten zu besichtigen sind. Er chattete auf einer Seite für Kannibalen. Er war „Franky, der Metzger“, gab als solcher Anzeigen auf und antwortete auf Annoncen. Sein Ziel: Er wollte jemanden finden, der sich von ihm töten ließ und den er aufessen konnte.

Einen speziellen Schlachtraum hatte Armin Meiwes in seinem Haus schon eingerichtet. Der heute 51 Jahre alte Meiwes wurde fündig. Der Berliner Bernd-Jürgen B. meldete sich. Auch er war Computerfachmann, war in der Stricherszene unterwegs und bat seine Sexpartner, ihm Schmerzen zuzufügen. Psychiater sagten später, das Opfer B. habe den Wunsch gehabt, vollständig verschwinden zu wollen.

Armin Meiwes erfüllte den Wunsch. Er aß sein Opfer zum großen Teil auf, den Kopf und die Knochen vergrub er im Garten. Als die Polizei ihm auf die Schliche kam, lagerten noch 20 Kilogramm Fleisch in der Kühltruhe.

Das eine Opfer reichte dem Kannibalen nicht. Er gab weiter Anzeigen auf, suchte fortwährend Opfer. Ein Internet-Nutzer, der von den Perversitäten erfuhr, meldete sich bei der Polizei. Die durchsuchte das Haus von Meiwes. Er hatte nichts dagegen. Ergebnis: Der Kannibale von Rotenburg wurde festgenommen.

Urteil: Es war Mord - kein Totschlag

Das letzte, endgültige Urteil gegen Armin Meiwes wurde am 9. Mai 2006 gefällt. Es war genau 14.04 Uhr, als der Vorsitzende Richter Klaus Drescher im Schwurgerichtssaal des Frankfurter Landgerichts verkündet: „Lebenslang wegen Mordes in Tateinheit mit Störung der Totenruhe.“

Armin Meiwes, der damals einen dunkelgrauen Anzug trug, nahm das Urteil reglos hin. Bei seinem letzten Wort vor Gericht hatte er noch Unfassbares gesagt: Es sei eine Unverschämtheit, so Meiwes, dass es Menschen verboten sei, sich aufessen zu lassen.

Am 30. Januar 2004 war Meiwes vom Kasseler Landgericht wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Gut ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof dieses Urteil auf. Eine Verurteilung nur wegen Totschlags und nicht wegen Mordes halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. Darum wurde noch einmal verhandelt – in Frankfurt. Das Urteil des Frankfurter Landgerichts wurde schließlich vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Die Frankfurter Richter hatten deutlich gemacht, dass es sich bei der Tat um Mord handelte. Mordmerkmal war die Befriedigung des Geschlechtstriebs. Alle Handlungen Meiwes seien sexuell motiviert gewesen: Das Fleisch junger Männer sei das einzige Mittel, mit dem der Mann aus Rotenburg seine Lust befriedigen könne.

Der Vorsitzende Richter legte seinen Kollegen nahe, Meiwes nach 15 Jahren nicht frei zu lassen. Denn der bereue seine Tat nicht, sondern sei im Gegenteil noch stolz darauf. Er werde es wieder tun, wenn er ein Opfer finde, sagte der Richter: „Dabei kann es sich um Kranke und Schwache handeln. Der Staat muss diese Menschen schützen.“

Die Einweisung in eine Psychiatrie stand nie zur Debatte: Psychiater und Psychologen hatten festgestellt, dass Meiwes voll schuldfähig ist. Er soll aber im Laufe seiner Haft eine Therapie machen.

 

Im Gefängnis gilt Meiwes als Musterschüler

Für Armin Meiwes selbst, so sagte er dem Leiter der Justizvollzugsanstalt Kassel, Jörg-Uwe Meister, war Montag der Tag seines Jubiläums: Am 10. Dezember 2002 wurde er festgenommen. Seitdem sitzt er im Gefängnis.

In Kassel-Wehlheiden gilt Meiwes als mustergültiger Gefangener. Er arbeitet in der Wäscherei, verhält sich ruhig und ist nie aufmüpfig. Anstaltsleiter Meister: „Sein Vollzugsverhalten ist beanstandungsfrei.“

Meiwes hat eine lebenslange Hafttstrafe wegen Mordes bekommen, ohne Sicherungsverwahrung. Es wurde auch nicht die Schwere der Schuld festgestellt. Das bedeutet, dass er zunächst 15 Jahre absitzen muss. Dann tritt ein Gericht, die Vollstreckungskammer, zusammen, um zu entscheiden, ob der Rest der lebenslangen Strafe etwa zur Bewährung ausgesetzt wird.

Von Frank Thonicke

Der Kannibalen-Fall in Bildern

Chronik: Der Kannibale von Rotenburg - der Fall in Bildern

Quelle: HNA

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