Pollenallergie

Heuschnupfen: Herbst ist die beste Zeit für Diagnose und Behandlung

Dr. Joachim Josef Hammersen, von der HNO-Klinik. Foto:  ank

Hersfeld-Rotenburg. Wer unter Heuschnupfen leidet, denkt meist im Herbst nicht an die triefende Nase und die juckenden Augen, die ihn im nächsten Frühjahr oder Sommer wieder plagen werden. Dabei ist die Zeit, zu der die Pollen nicht fliegen, genau richtig, um das Problem bei der Wurzel zu packen.

Wir sprachen mit Dr. Joachim Josef Hammersen, Leitender Oberarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bad Hersfeld, über die Hyposensibilisierung insbesondere bei einer Pollenallergie.

Herr Dr. Hammersen, rennen Ihnen die Pollenallergiker zurzeit die Türen ein, weil sie mit einer Therapie beginnen wollen?

Dr. Joachim Josef Hammersen: Nein, das nicht. Wenn die Leidenszeit vorbei ist, schludern die Patienten gerne. Dabei ist der Herbst die beste Zeit für die Diagnostik und den Beginn der Behandlung.

Wie wird eine Pollenallergie festgestellt?

Hammersen: Die Diagnose stellen Allergologen, HNO-, Haut und Lungenfachärzte und entsprechend ausgebildete Haus- und Kinderärzte. Dazu gehören Tests, wie etwa der Prick-Test, bei dem Proben möglicher Allergieauslöser auf die Haut, meist den Unterarm, geritzt oder gespritzt werden. Pusteln oder Quaddeln zeigen an: Hier reagiert die Person allergisch. Auch Bluttests können zur Diagnose herangezogen werden.

Sollte man eine Allergie denn behandeln oder können sich die Patienten einfach die paar Wochen im Jahr „durchquälen“?

Hammersen: Es wird generell empfohlen, eine Allergie zu behandeln, wenn es nicht möglich ist, ihr aus dem Weg zu gehen. Wer kann schon wegen einer Pollenallergie ans Meer oder ins Hochgebirge ziehen. Man vermeidet mit einer Behandlung Folgeerkrankungen der Bronchien und der Lunge.

Was passiert bei einer Hyposensibilisierung?

!Hammersen: Eine Allergie ist eine Überreaktion des Körpers gegenüber Allergienen. Bei der Hyposensibilisierung werden kleine Mengen des Allergens in gesteigerter Form gegeben, um den Körper zu immunisieren.

Für wen eignet sich eine Hyposensibilisierung?

Hammersen: Am erfolgreichsten ist sie, wenn nur wenige Allergien vorhanden sind, etwa hauptsächlich Gräserpollen und Roggen oder auch Milben. Je jünger die Patienten sind, desto besser, aber eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Patienten sollten möglichst gesund sein. Wer an einer anderen Autoimmunerkrankung oder einem Tumor leidet oder Betablocker einnimmt, für den ist diese Therapie nicht geeignet.

Was erreicht man mit der Behandlung?

!Hammersen: Auch beim Heuschnupfen sind von Anfang an die Bronchien mitbetroffen. Durch die Therapie nehmen die Beschwerden ab, die Patienten brauchen weniger Medikamente in der Akutphase, haben weniger Nebenwirkungen und eine gesteigerte Lebensqualität. Allergien können bei Kindern beispielsweise zu deutlichen Leistungsstörungen führen.

Welche Möglichkeiten einer Hyposensibilisierungfür Allergien gibt es denn zur Zeit?

!Hammersen: Wir haben die Wahl zwischen Spritzen, Tabletten oder Tropfen, die unter die Zunge gelegt beziehungsweise getropft werden. Die Impftablette gegen Gräserpollen ist zum Beispiel auch für Kinder ab fünf Jahren geeignet. Die Behandlung läuft über drei bis fünf Jahre. Je nach Hersteller unterscheiden sich die Anfangsbehandlung und die spätere Erhaltungsdosis. Letztere kann im Rhythmus von sechs bis acht Wochen oder auch mit fünf Spritzen pro Jahr in der pollenarmen Zeit gegeben werden. Meist werden fertige Rezepturen eingesetzt, seltener wird ein Medikament speziell für einen Patienten hergestellt, wie das früher üblich war.

Gibt es auch Risiken der Immuntherapie?

!Hammersen: Möglich ist ein allergischer Schock, weshalb die Therapie unter ärztlicher Aufsicht und mit versiertem Personal begonnen und durchgeführt wird. Das Serum zur Immunisierung kann bei körperlicher Belastung verstärkt wirken.

Wie erfolgreich ist die Behandlung?

!Hammersen: Insgesamt sind die Erfolgsaussichten mit rund 90 Prozent sehr vielversprechend. Die Hyposensibilisierung bei Pollen- und Insektenallergien sind in der Regel erfolgreicher als bei einer Tierhaarallergie.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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