Frieren für "Tagesthemen"

Mit Kamera, Techniker und Mikrofon: Als ARD-Praktikantin in Washington

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Vorbereitungen für die Live-Übertragung anlässlich Barack Obamas Rede zur Lage der Nation aus dem hauseigenen Aufnahmestudio: (von rechts) Studioleiterin Tina Hassel, Nicole Wagner, Kamerafrau Felicitas Klopp und Cheftechniker Dirk Keuper. 

Washington/Schenklengsfeld. In dem mit Bildschirmen, Mischpulten und Computern gefüllten Regieraum liegt Anspannung in der Luft. Alle Augen halten die beiden Monitore im Blick, die das aktuelle Programm der ARD und das Studio zeigen, das sich direkt nebenan befindet.

Dort wartet Studioleiterin und Korrespondentin Tina Hassel gemeinsam mit Annette Heuser, Leiterin der Bertelsmann-Stiftung, auf den Beginn der Live-Sendung, die den Höhepunkt meines Praktikums darstellt.

Im weltweit ältesten und früher größten Auslandsstudio der ARD-Sendergruppe im historischen Georgetown, einem edlen Stadtteil Washingtons, bekomme ich einen umfangreichen Eindruck davon, was journalistisches Arbeiten fürs deutsche Fernsehen im Ausland bedeutet. So assistiere ich beim Vorbereiten und Durchführen von Interviews mit interessanten Menschen, unter anderem Senator Bob Corker aus Tennessee, der das Einsetzen eines Betriebsrats im VW-Werk in Chattanooga befürwortet, Modekritikerin und Pulitzer-Preisträgerin Robin Givhan, einer Bekannten von "First Lady" Michelle Obama, und Anwältin Susan Burke, die sich unaufhaltsam für die Rechte von Vergewaltigungsopfern innerhalb des Militärs einsetzt. Auch lausche ich der Pressekonferenz von Informanten, die Neues über die Methoden des Geheimdienstes NSA veröffentlichen, beobachte Live-Schalten in die "Tagesschau" und das "Nachtmagazin" und höre den täglichen Pressekonferenzen des Außenministeriums zu, stets auf der Suche nach Informationen, die für Deutschland von Bedeutung sind.

Nebenbei erlebe ich, wie das sonst nie stillstehende politische Leben in Washington durch anhaltende Winterwetterkapriolen nahezu lahmgelegt wird. So werden kurz vor einem Schneesturm alle Regierungsgebäude vorsorglich geschlossen, um ein Verkehrschaos wegen Schnee und Eis zu verhindern. Während des Polarsturms, der Anfang Januar fast die gesamten USA zittern lässt und mit Temperaturen von gefühlten minus 30 Grad auch die Hauptstadt trifft, finde ich mich dick eingemummt in Polarkleidung mitsamt eines Kamerateams vor dem Kapitol wieder, um mit Korrespondent Stefan Niemann für die "Tagesthemen" Videomaterial über eine Demonstration gegen Abtreibung zu sammeln. Für Journalisten gibt es eben kein "Kältefrei", Nachrichten müssen aktuell produziert werden.

Zurück im Studio beobachte ich zum Ende meines Praktikums die Live-Sendung anlässlich der Rede zur Lage der Nation von Präsident Barack Obama, während deren Vorbereitungen ich als Licht-Double gedient und die Anmoderation geprobt habe. Und ich stelle mir vor, irgendwann selbst für Deutschland aus der weiten Welt zu berichten - über Politik, Kultur und ungewöhnliche Wetterkapriolen.

Von Nicole Wagner

Quelle: HNA

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