Mittelalterliche Glocke wurde nach Jahrzehnten wieder in Gang gesetzt

Kaffeeglöckchen klingt

Rotenburg. Seit gestern hängt das Rotenburger Kaffeeglöckchen im restaurierten Glockenstuhl in der Jakobikirche und kann nach jahrzehntelanger Pause wieder geläutet werden.

Pfarrer Michael Dorfschäfer beschreibt seinen Klang mit dem Begriff „herb“.

Spenden und der Förderkreis für die Sanierung der Jakobikirche haben das möglich gemacht. Gut 9000 Euro kosteten die Erneuerung der Gaube, der neue Glockenstuhl und die Installation der alten Glocke, erklärte der Pfarrer. Sie zählt zu den ältesten im Kreis, ist aber auf jeden Fall die älteste in der Kernstadt. Allerdings wissen nicht einmal Glockensachverständige, ob sie aus dem 13. oder dem 14. Jahrhundert stammt. Sie trägt keine Inschrift. Ihr Klang gilt als nicht besonders schön.

Die Glocke muss allein geläutet werden, weil sie nicht in die Klangfärbung des übrigen Geläuts passt. Das Geläut aller vier Rotenburger Kirchen ist aufeinander abgestimmt. Zu welchem Anlass das Kaffee- oder Sturmglöckchen zu hören sein wird, steht allerdings noch nicht fest. „Darüber muss sich der Kirchenvorstand noch Gedanken machen“, sagte der Pfarrer.

In früheren Jahrhunderten läutete sie wohl unter anderem bei Feuersbrünsten. Es heißt, ihren Namen Kaffeeglöckchen habe sie, weil sie auch zur Vesperzeit geläutet wurde. Gegen Ende des Krieges, ab 1942, musste sie die anderen Glocken der Jakobikirche ersetzen, die eingeschmolzen werden sollten.

In den 60er-Jahren wurde sie fest an einem Stahlträger im Turm befestigt und konnte nicht mehr geläutet werden. Die aus der Barockzeit stammende Gaube wurde versperrt, damit keine Tauben in den Turm fliegen konnten. Auch vor der restaurierten Gaube soll wieder ein Schutz gegen Tauben installiert werden.

Nun also hängt das Kaffeeglöckchen wieder und ist funktionstüchtig. Mitarbeiter der Rotenburger Firma Heupel und Sohn und der Glockengießerei Bachert aus Karlsruhe waren mit den Arbeiten beauftragt.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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