Einrichtung könnte Schutzschirmplänen zum Opfer fallen

Jury zieht Preis für Stadtarchiv zurück

Rotenburg. Beinahe hätte die Stadt Rotenburg den hessischen Archivpreis 2012 erhalten. Doch die Jury hat ihre Empfehlung binnen einer Woche wieder zurückgezogen, weil die Zukunft des Rotenburger Stadtarchivs ungewiss ist. Die Stadt erwägt, das Archiv zu schließen.

Hintergrund sind die Bemühungen Rotenburgs, das Loch im Haushalt zu schließen. Um unter den Finanzschutzschirm des Landes schlüpfen zu können, hat eine Kommission Vorschläge erarbeitet, welche freiwilligen Leistungen gestrichen werden könnten. Das Stadtarchiv steht auf dieser Liste.

Nach HNA-Informationen hatte sich die Jury einstimmig für das Stadtarchiv ausgesprochen und das der Stadt bereits mitgeteilt. Ein Termin für die Preisverleihung in Rotenburg stand fest. Dann wurden der Jury die Überlegungen bekannt, das Stadtarchiv womöglich zu schließen. Daraufhin zog sie ihre Empfehlung für Rotenburg zurück.

„Es kann nicht sein, dass ein Preis von 5000 Euro vergeben wird, und drei Monate später wird das Archiv geschlossen“, sagte ein Jurymitglied gegenüber unserer Zeitung. Bei der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die das Preisgeld stiftet, war gestern keine offizielle Stellungnahme zu erhalten.

Bürgermeister Christian Grunwald bedauerte auf Anfrage die Entscheidung. Sollte das Archiv geschlossen werden, ändere das nichts an der geleisteten vorbildlichen Arbeit: „Der Oskar wird ja auch für einen bereits gedrehten Film verliehen, nicht für eine künftige Fortsetzung.“

Durch eine Schließung des Archivs könne die Stadt jährlich 1000 Euro Sachmittel einsparen. Aber es gehe auch um das Archivpersonal, das an anderer Stelle eingesetzt werden könnte. Vor dem Hintergrund der Sparvorgaben des Landes könne die Stadt keine Möglichkeit ungeprüft lassen, sagte Grunwald: „Sonst machen wir uns unglaubwürdig.“

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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