Von jugendlichem Widerstand: Neue Ausstellung in Bebra

Bebra. Hätte ich den Mut gehabt? Das ist die Frage, die viele der Schüler bewegt, die in den vergangenen Tagen die Ausstellung „Es lebe die Freiheit“ in den Beruflichen Schulen in Bebra besucht haben. Die Ausstellung dokumentiert den Widerstand von Jugendlichen gegen den Nationalsozialismus.

Die meisten der knapp 30 vorgestellten Persönlichkeiten waren zu dem Zeitpunkt, als sie sich mit dem Nationalsozialismus konfrontiert sahen, im gleichen Alter wie die Bebaer Schüler heute. Geschichtslehrer Dr. Ulrich Schneider nutzt aus, dass die Schüler sich dadurch leicht mit den Jugendlichen identifizieren können. Wenn er mit einer Klasse die Austellung besucht, dann ruft er die Schüler dazu auf, sich eine der Personen herauszusuchen und den Mitschülern vorzustellen.

Die 19-jährige Sophia Rosenthal hat sich für Hans Gasparitsch entschieden, der als 17-Jähriger verhaftet wurde, weil er mit Freunden Flugblätter über Verhaftungen und Morde an Regimegegnern verteilte. An Gasparitschs Geschichte, erklärt Sophia den anderen, bewegt sie, dass er enttäuscht von der Elterngeneration war. Sie liest ein Zitat von Gasparitsch vor: „Die Erwachsenen haben sich nicht gewehrt gegen die Faschisten, obwohl immer so viel in den Zeitungen stand.“

Felix Wicke steht an dem Plakat über Walter Klingenbeck, der den englischen Sender BBC hörte und so erfuhr, dass der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen war. Klingenbeck malte das Victory-Zeichen an Wände und wurde später verhaftet und hingerichtet, weil er in der Öffentlichkeit übermütig damit prahlte und verraten wurde. Das erschüttert Felix Wicke: „Hätte er es für sich behalten, wäre er nicht verhaftet worden.“

Viele der Bebraer Schüler werden die Ausstellung noch besuchen. Schneider: „Ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen erfahren, dass es wenige gab, die Widerstand geleistet haben. Ob das Vorbild wird für eigenes Verhalten, bleibt jedem überlassen.“

Die Ausstellung wurde vom Frankfurter „Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945“ erarbeitet. Sie ist auch für die Öffentlichkeit zugänglich, bis zum 30. Januar immer während der Schulzeit von 7.30 bis 16 Uhr.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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