Wahl-Spezial: Lieblingsorte

Dr. Johanna Scheringer-Wright ist Bundestagskandidatin für Die Linke

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Zurück zur Studienzeit: Im Wilhelmitenkloster in Witzenhausen, wo heute die Universität untergebracht ist, hält sich Dr. Johanna Scheringer-Wright immer noch gerne auf.

Witzenhausen. Harte Arbeit hat ihr nie Angst gemacht. Kühe melken, Ställe misten, den Haushalt einer mehrköpfigen Bauernfamilie versorgen all das hat Dr. Johanna Scheringer-Wright, die für Die Linke im Thüringer Landtag sitzt und nun für den Bundestag kandidiert, schon als junge Frau gelernt.

Politik macht sie deshalb nie allein vom Schreibtisch aus. Sie hat in Bereichen, die ihr heute Herzensangelegenheit sind, selbst mit angepackt.

Die Großeltern hatten einen Hof, der Vater arbeitete als Landwirt in der Industrie und in ihr reifte früh der Entschluss, diesen Bereich zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen. Deshalb sei das Wilhelmitenkloster in Witzenhausen ihr Lieblingsort. Nicht wegen der religiösen Vergangenheit und erst recht nicht wegen seiner Geschichte als Kolonialschule, sondern weil sie nach dem Fach-Abi 1982 voller Ideale hierher zum Studieren an die Uni kam.

Die restriktive Politik der Strauß-Ära empfand sie als erstickend, den Wechsel ins Nordhessische wie eine Befreiung. "Witzenhausen ist eine kleine Stadt, aber unheimlich kosmopolitisch, mit vielen ausländischen Studenten , sagt Scheringer-Wright, die in einer kommunistisch geprägten Familie aufwuchs. "Für uns zählte immer der Gedanke, die Welt zum Besseren zu verändern. Für mich bedeutete das dabei zu helfen, die Menschen dieser Erde zu ernähren.

Ein Jahr arbeitete sie auf einem Bauernhof in Eichenberg, danach stieg sie ins dritte Semester des Studiengangs Internationale Landwirtschaft ein. Mit 26 arbeitete sie drei Jahre in der Entwicklungshilfe. Ein Wort, das sie nicht mag. "Es ist zu einseitig. Ich nenne das Entwicklungszusammenarbeit. Im Busch in Ghana beriet sie Kleinbauern. Ein Engagement, das auch frustrierend war, weil sich internationale Politik existenzbedrohend für Menschen vor Ort auswirkte. "Wurden Subventionen für Sprit gestrichen, verschlang die Fahrt zum Arzt in der Stadt den Tageslohn eines Bauern.

In der Heimat war sie für die landwirtschaftliche Alterskasse Hessen-Nassau als Familienhelferin tätig. "Wenn die Bäuerin krank wurde, schickte man mich als Ersatz auf den Hof. Ich hatte all ihre Aufgaben zu übernehmen, auch die Pflege der bettlägerigen Oma , sagt die 50-Jährige.

In die Politik gebeten

Den Schritt in die Politik wagte sie nicht aus eigener Initiative. "Ich wurde gefragt, weil das Thema Landwirtschaft unterrepräsentiert sei. Das war 2004, und ich arbeitete in Göttingen nach meiner Promotion als wissenschaftliche Hilfskraft.

Seit den 90er Jahren lebt Johanna Scheringer-Wright mit ihrem Mann im thüringischen Hohengandern. Wegen eines Kita-Platzes, den sie als Berufstätige für ihren heute 18-jährigen Sohn damals nicht bekam, war sie aus Hessen weggezogen. "Flexibilität der Arbeitsplätze wird gefordert, aber nur aus Sicht des Unternehmens hinterfragt. Das ist bis heute so. Der Dauerkonflikt ärgert sie. Ebenso wie Intoleranz und Nicht-Zuhören-Können. "Ich finde es wichtig, auf Menschen zugehen und andere Meinungen akzeptieren zu können.

Entspannung findet sie in ihrem Garten, in der Sauna und beim Lesen. Nur Judo, was sie lange in der TG Witzenhausen betrieb, kommt zu kurz.

Quelle: HNA

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