Hoher Anteil von Niedriglöhnern im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Jeder dritte Beschäftigte ist ein Geringverdiener

Hersfeld-Rotenburg. Etwa 30 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zählen zum Niedriglohnsektor. Das geht aus einer Statistik der Bad Hersfelder Bundesagentur für Arbeit hervor. Damit liegt der Landkreis über dem hessenweiten Durchschnitt von 19,2 Prozent.

Insgesamt 99 711 Arbeitnehmer lagen am Ende des Jahres 2010 mit ihrem Bruttoverdienst unter der für Westdeutschland gültigen Niedriglohnschwelle von 1890 Euro im Monat. Seit dem Jahr 2005 ist der Anteil der Geringverdiener angestiegen. 2005 waren es noch 26,2 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Dabei scheint die Zahl der Niedriglöhner mit der Anzahl der Beschäftigten anzuwachsen. Gab es Ende 2005 noch 30 092 Vollzeitbeschäftigte, waren es Ende 2010 bereits 32 451.

Mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis sei im Dienstleistungsbereich tätig, zu dem Gastgewerbe, Handel, Gesundheitsberufe, Sozial- und Erziehungsberufe zählen, sagt der Leiter der Bad Hersfelder Arbeitsagentur, Matthias Oppel. Dort fänden sich bundesweit hohe Niedriglohnanteile. Zudem sinke die Wahrscheinlichkeit, im Niedriglohnsektor beschäftigt zu sein, mit einem höheren Qualifikationsniveau. Im Landkreis gebe es gerade im Dienstleistungsbereich viele Arbeitsplätze, die dies nicht forderten. „Grundsätzlich ist die Frage der Tarifierung aber ein Thema, mit dem sich Politik und Tarifparteien auseinandersetzen müssen“, sagt Oppel.

Den hohen Anteil der Niedriglöhner führt Michael Rudolph, Vorsitzender der DGB-Region Nordhessen, auf den gewachsenen Logistik-Sektor zurück. Generell machten auch die Leiharbeiter einen hohen Anteil am Niedriglohnsektor aus. „Wir fordern mehr Tarifbindung, wie es etwa bei Libri gelungen ist, und gleiches Geld für gleiche Arbeit“, sagt Rudolph. ZUM TAGE, HINTERGRUND

Von Jan-Christoph Eisenberg

Quelle: HNA

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