100 Jahre SV Rotenburg - ein Blick zurück auf die Fußball-Pioniere

Jugendarbeit als Aushängeschild: Viel Wert legt der SV Rotenburg auf gut ausgebildete Trainer und Betreuer, die den Fußballnachwuchs ausbilden und betreuen. Unser Foto zeigt eine Bambinigruppe, die unter Anleitung von Dirk Müller in der Großsporthalle trainiert. Foto: Vöckel

Fußballer rangelten mit Waschfrauen um eine begehrte Fläche am Rotenburger Kies, Ordnungshüter vertrieben die eifrigen Kicker, und zu den Spielen musste man radeln: Der SV Rotenburg hatte es in den Anfängen seiner 100-jährigen Geschichte nicht leicht. Wie sich der Verein allen Widrigkeiten zum Trotz etablierte, lesen Sie hier.

Rotenburg. Fußball wurde schon vor dem Jahr 1914 in Rotenburg gespielt. Die Sportart war zur Jahrhundertwende von England auf das europäische Festland herüber geschwappt und begeisterte viele Menschen.

Für die ersten Fußballer in Rotenburg war es gar nicht so einfach, ein Spielfeld zu finden. Immer wieder mussten die vor dem Auge des Gesetzes auf der Hut sein und fluchtartig das Gelände verlassen, wenn ein Uniformierter erschien. Denn der neue Importsport Fußball war damals nicht gern gesehen. Man hielt es eher deutsch-national mit Turnvater Jahn. Das Beschaffen eines Platzes war nicht leicht, weil eine Erlaubnis zur Benutzung eines Geländes kaum zu erhalten war. Am Kies wurden Wäschepfähle herausgenommen, um Platz für ein Spielgelände zu erhalten. Das löste am anderen Tag einen „Krieg“ mit den Waschfrauen und der Behörde aus. Umzüge mit Transparenten machten schließlich die Männer im Rathaus weich. Die Fußballer erhielten einen Platz mal hier, mal dort.

Am Anfang waren es in Rotenburg die Anwohner von Straßen und Plätzen, die gegeneinander spielten, danach die Mitglieder von zwei Fußballclubs, die sich 1910 gründeten. Gespielt wurde auf dem Knüllchen (beim heutigen Campingplatz) und auf einer Wiese beim Gasthaus zum Weidenberg (heute Hessische Hochschule der Finanzen und Rechtspflege). Das ging nicht ohne Ärger ab. Zwischen den beiden Rotenburger Vereinen kam es zum Streit. Die Folge: Man spielte nicht mehr gegeneinander Fußball. Die Teams mussten sich also nach auswärts orientieren.

Das war nicht einfach, Geld für die Eisenbahnfahrt hatten die meisten Fußballer nicht und auch von den Clubs gab es nichts. Deshalb musste das Fahrrad herhalten. Wer mitspielen wollte, egal ob in Bebra, Melsungen, Homberg, Eschwege oder Hersfeld, der musste sich auf sein Zweirad schwingen und zum nächsten Spielort radeln, beschreibt der Chronist die Anfänge des Fußballsportsport in Rotenburg. Doch die Zeit der wilden Clubs sollte bald vorbei sein. Deren Auflösung wurde am 1. Februar 1914 in der Gastwirtschaft Dörr unter der Leitung von Stadtinspektor Anton May beschlossen und zugleich der Sportverein 1914 Rotenburg gegründet. May wurde auch zum Vorsitzenden gewählt. Weitere Gründungsmitglieder waren David Greiling, Rudi May, Valentin Willing, Ernst Leukfeld, Adolf Holl, Heinrich Barth, Georg Kehres, Martin Greiling, Ferdinand Roth, Albert Struth, Karl Limpert, Heinrich Schäfer, Heinrich Wendel, Hans Wendel, Heinrich Wagner, Hans Schulz und Johannes Schulz.

Damit endet auch der erste Abschnitt des Fußballsports in Rotenburg. Der Grund: Der Erste Weltkrieg verhinderte die weitere sportliche Betätigung. Erst danach ging es weiter. 1926 erwarb der Verein eine ehemalige Sandgrube und baute sie in den nächsten vier Jahren zu einem Sportplatz aus. Jedes Mitglied musste 40 Arbeitsstunden unentgeltlich leisten.

Bis zum Zweiten Weltkrieg spielten die Vereinsmannschaften in den Bezirksklassen Fulda und Kassel. Danach etablierten sich die Fußballer erst 1949 wieder als eigenständiger Verein. Der setzte von 1958 bis 1960 seinen Sportplatz wieder instand, begann nur ein Jahr später mit dem Bau des Sporthauses, das 1988 saniert und 2002 mit einem Anbau erweitert wurde.

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Quelle: HNA

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