Interview

60 Jahre Bundeswehr: Heinz Schlegel erinnert sich an die Anfänge

Großes Interesse: Beim Tag der offenen Tür im Jahr 1962 führte Heinz Schlegel – rechts im Bild – als junger Unteroffizier die Nahkampfausbildung vor. Bei der einstudierten Fall-Übung gab er den Soldaten auf dem Stuhl den nötigen Schwung zum kontrollierten Abrollen. Das beeindruckte viele Besucher der Alheimer-Kaserne, die ihren Namen erst vier Jahre später 1966 erhalten hat. Foto: Privat/nh

Rotenburg. Er ist ein Urgestein der Rotenburger Alheimer-Kaserne und als Hauptmann a.D. dem in Auflösung befindlichen heimischen Bundeswehrstandort immer noch treu verbunden: der 77-jährige Lispenhäuser Heinz Schlegel, der sich als 18-Jähriger 1956 freiwillig zur damals gerade neu gegründeten Bundeswehr meldete.  Wir sprachen mit ihm über seine Erinnerungen an die Gründungszeit bis heute:

Herr Schlegel, wie war Ihr Anfang als junger Soldat in Rotenburg damals? 

Heinz Schlegel: Als ich 1961 als junger Unteroffizier in die neu gebaute Rotenburger Kaserne kam, mussten wir noch Spinde und Betten für die Einrichtung der Stuben schleppen - das, was jetzt der Rotenburger Bürgermeister und viele Helfer für die Flüchtlinge machen mussten, die am Silberberg untergebracht sind. Heute wie damals mussten in Rotenburg also erstmal die Grundlagen für die Unterbringung geschaffen werden. Auch bei der Bundeswehr war zum Einzug noch nicht alles so perfekt vorbereitet.

Das endgültige Ende der militärischen Nutzung der Kaserne ist fast erreicht - wie sehen Sie das, als jemand, der von Anfang an dabei war? 

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Schlegel: Für mich ist und bleibt die Alheimer-Kaserne ein fester Bestandteil von Rotenburg. Ich habe die große Hoffnung, dass der Standort mittel- oder langfristig wieder für die Bundeswehr genutzt werden kann. Bürgermeister Christian Grunwald hat sich ja bisher intensiv darum bemüht, eine gewerbliche Nutzung für die Kasernengebäude zu finden. Vielleicht liegt ja auch darin die Zukunft des Geländes.

Was war Ihr spannendstes Erlebnis in 60 Jahren Bundeswehr?

Schlegel: Während der Fallschirmspringerausbildung 1978 in der Luftlandeschule in Schongau - damals war ich bereits Oberleutnant - hatte ich Riesenglück. Bei einem Übungssprung öffnete sich mein Fallschirm nicht und nur mit Unterstützung eines Kameraden, dessen Schirm sich geöffnet hatte und der mich an sich zog und mit mir dann gemeinsam zu Boden glitt, habe ich die gefährliche Situation gesund überstanden. Gerne erinnere ich mich an den Übergang von der Unteroffizierlaufbahn in die Offizierlaufbahn, den ich 1973 erleben durfte.

Die Aufgaben der Bundeswehr haben sich stark gewandelt - nach der reinen Landesverteidigung von früher finden sind die Soldaten inzwischen oftmals in Situationen mit Gefahr für Leib und Leben wieder. Würden Sie angesichts dessen auch heute noch Soldat werden wollen?

Schlegel: Ich habe mich für den Beruf des Soldaten entschieden - und das mit allen möglichen Konsequenzen. Deshalb gilt für mich: auch wenn es heute gefährlicher ist als noch vor 60 Jahren, würde ich mich immer wieder dafür entscheiden, mein Land zu verteidigen, wenn das nötig ist.

Wie sieht die Zukunft der Bundeswehr in Ihren Augen aus? Halten sie den Einsatz der Soldaten zum Beispiel als Helfer in der Flüchtlingskrise und im Katastrophenfall auch für möglich? 

Schlegel: Wenn das nötig werden sollte, bin ich absolut dafür. Die Politik sollte die Voraussetzungen dafür schaffen. In der größten Not hat schließlich auch Helmut Schmidt bei der Flut in Hamburg die Bundeswehr sinnvoll eingesetzt. Auf diese Weise sehen wir dann gegebenenfalls Soldaten in der Alheimer-Kaserne künftig wieder. (pgo)

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