Die Suche nach dem Wild: Unterwegs mit Manfred Gieb und Schweißhund Dali

Jagd ohne Hund ist Schund

Immer der Nase nach: Schweißhund Dali hat die Witterung aufgenommen, Schweißhundführer Manfred Gieb folgt durch den Kohlhäuser Wald im Lindengraben. Mindestens alle zwei Wochen trainieren beide mit einer Kunstfährte. Fotos:  Deppe

Bad Hersfeld. Die Nase tief im Laub vergraben, in alle Richtungen witternd und trotzdem konsequent einer Spur folgend. Dali vom Gansfeld sucht sich seinen Weg durch den Kohlhäuser Wald, Hobby-Jäger Manfred Gieb muss sich anstrengen, um hinterherzukommen.

Dali ist ein ausgebildeter Schweißhund und trainiert mit seinem Besitzer auf einer Kunstfährte die Nachsuche. Der 65-jährige Gieb will gemeinsam mit seinem Hund – einer Alpenländischen Dachsbracke – bei der Jagd angeschossene oder bei einem Unfall verletzte Wildtiere schnell auffinden. „Ein Tier von seinen Qualen zu erlösen, ist für mich das oberste Gebot“, sagt er.

Mit den Kunstfährten trainiert Gieb nicht nur seinen Hund, sondern auch sich selbst. „Man lernt mit der Zeit, aus dem Verhalten des Hundes zu lesen“, sagt er. Alle zwei Wochen legt Gieb eine 1000 Meter lange Kunstfährte für Dali. Mit sogenannten Schweißschuhen – alten Wanderschuhen, die mit Wildschweinfüßen präpariert wurden – markiert er eine Route durch den Wald. Rund 20 Stunden später folgt Dali mit der Nase im Laub.

Geduldsprobe

Dabei wird er zunächst auf eine Geduldsprobe gestellt. Solange Gieb den Anschuss, also die Stelle, an der das Wild verletzt wurde, untersucht, muss der Hund still in einiger Entfernung liegend warten. Erst auf Kommando geht die Suche los. An einer langen roten Leine lässt der Jäger seinem Hund dann genügend Vorsprung.

„Die Schwierigkeit ist es, bei all den Spuren im Wald die richtige Fährte zu halten“, sagt Gieb. Bei der Kunstfährte im Kohlhäuser Wald schafft Dali das problemlos. Die Wildschweinfüße – unter einem Baumstamm versteckt – findet Dali innerhalb weniger Minuten, rührt sie aber nicht an. Das darf er als geprüfter Schweißhund nicht. Ein Knurren als Manfred Gieb die Lockmittel entfernen will, deutet die Schärfe des Tieres an. „Das ist ganz normales Inbesitznahmeverhalten. Das lassen wir als Belohnung auch zu. Das Interesse daran verfliegt schnell wieder von ganz allein“, sagt Gieb.

Wird im Ernstfall das Wild gesichtet, lässt der Schweißhundführer sein Tier von der Leine, damit dieses das verletzte Wild stellt. Lautes Gebell soll dem Jäger helfen, die Stelle, an der das Wild gestellt wurde, zu finden. Heute hilft dabei häufig auch moderne GPS-Technologie, mit der Hund und Jäger ausgestattet sind. Nur in etwa einem bis fünf Prozent der Fälle ist laut Gieb nach dem Schuss des Jägers eine Nachsuche nötig. Für ihn und Dali bedeutet das rund 20 Ernstfälle pro Jahr.

Am Ende der Trainingssuche wird Dali von seinem Herrchen belohnt. Manfred Gieb ist zufrieden mit dem Ergebnis. „Nachsuche ohne Schweißhund ist undenkbar“, sagt er. Generell gelte für ihn das altes Jägersprichwort: „Jagd ohne Hund ist Schund!“

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

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