COPD: Am KKH Rotenburg werden Coils eingesetzt

Interview: Mit Implantaten wieder Luft zum Atmen

Hersfeld-Rotenburg. Lungenerkrankungen nehmen allgemein zu, aber bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Entwicklung besonders dramatisch.

Schon in fünf Jahren soll COPD auf dem dritten Platz der Todesursachen stehen - heute auf dem sechsten, erläutert der Lungenfacharzt Dr. Rainer Michulla von Kreiskrankenhaus Rotenburg.

In der Pneumologie des Hauses werden zur Therapie neben Ventilen seit diesem Jahr auch sogenannte Coils implantiert, ein neues Verfahren, das in der Region sonst nicht angeboten wird.

Herr Dr. Michulla, wie fühlt sich ein Patient mit COPD? 

Rainer Michulla: Die Patienten leiden sehr: Sie haben praktisch Tag und Nacht Luftnot, sitzen im Kämmerlein, sind nicht mehr beweglich und hängen an einem Sauerstoffgerät. Die Patienten haben Todesängste. Grund ist die massive Überblähung der Lunge. Der Patient hat viel Luft in der Lunge, bekommt sie aber nicht mehr heraus. Dadurch wird das Zwerchfell, der Hauptatemmuskel, heruntergedrückt und ineffektiv.

Welche Möglichkeiten haben Sie, zu helfen? 

Michulla: Es geht bei allen Verfahren darum, das Lungenvolumen zu reduzieren. Man kann chirurgisch arbeiten und einen Teil der Lunge wegschneiden. Daneben gibt es endoskopische Verfahren, bei denen wir Ventile und Coils einsetzen. Anderenorts wird auch mit heißem Dampf und eingespritzem Schaum gearbeitet.

Warum setzen Sie Ventile und Coils ein? 

Michulla: Beide Verfahren ergänzen sich und machen Teile der Lunge luftleer. Ventile haben den Vorteil, dass sie jederzeit wieder entfernt werden können, Coils bleiben dauerhaft in der Lunge. Sie setzen das umliegende Gewebe unter Spannung und eröffnen Atemwege, die zuvor durch das Emphysem zusammengedrückt worden sind.

Für wen eignen sich Ventile und Coils? 

Michulla: Sie werden bei Patienten mit einem Emphysem im Endstadium implantiert, wenn Medikamente nicht mehr helfen.

Wann entscheidet man sich denn für Ventile, wann für Coils? 

Michulla: Die Verfahren ergänzen sich, aber der Trend geht heute im fortgeschrittenen COPD-Stadium (3. und 4.) zu Coils. Mit Ventilen hat man etwa zehn bis 15 Jahre Erfahrung, Coils sind neueren Datums.

Man verwendet sie seit fünf bis acht Jahren. Ventile haben den Nachteil, dass teure Voruntersuchungen notwendig, am Ende aber nur etwa 15 Prozent der Patienten geeignet sind. Teile der Lunge werden luftleer gemacht, doch bisweilen bahnt sich die Luft einen neuen Weg (Kollateralventilation), sodass das Ziel nicht immer erreicht wird.

Wie läuft so eine OP ab? 

Michulla: Es werden im Abstand von sechs Wochen zuerst im einen Lungenflügel Coils oder Ventile implantiert, dann im anderen. Dazu bleiben die Patienten jeweils etwa fünf Tage im Krankenhaus. Nach der zweiten OP spüren sie in der Regel eine deutliche Entlastung.

Welche Risiken haben die beiden Verfahren? 

Michulla: Bei den Ventilen ist das größte Risiko, dass die Lunge zusammenfallen kann, aber das ist gut behandelbar. Bei Coils können Blutungen auftreten, weshalb nicht alle Patienten für dieses Verfahren geeignet sind. Das gilt etwa für Patienten, die dauerhaft Blutverdünner wie Marcumar einnehmen müssen, ASS ist erlaubt.

Was kosten die Verfahren, und wer bezahlt die OPs? 

Michulla: Die Coils kosten pro Stück 1200 Euro, wobei zweimal zehn implantiert werden. Die Ventile kosten genauso viel, man braucht aber nur fünf bis sechs pro Seite. Die Kosten tragen die Krankenkassen.

Aber man sollte das nicht nur von der Kostenseite aus betrachten. Wir können hier Menschen helfen, denen sonst nichts hilft und die unter hohem Leidensdruck stehen. Ihre Luftnot wird verringert, und sie werden wieder leistungsfähiger.

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Quelle: HNA

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