Hilfreich und beliebt: Memoryspiele, Lückentexte und Comics

Intensivklasse: 43 Kinder unterschiedlicher Nationalität lernen in Bebra Deutsch

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Mit Feuereifer beim Sprach-Memory: Schüler einer Intensivklasse an der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra suchen die passenden Karten für Begriffe in Einzahl und Mehrzahl. In Reiner Metco-Zsolt haben sie einen geduldigen Lehrer. 

Bebra. Die Tücken der deutschen Sprache sind vielfältig: Bestimmte und unbestimmte Artikel, Präpositionen, Groß- und Kleinschreibung - alles richtig anzuwenden, gelingt selbst Deutschen nicht immer. 

An der Bebraer Brüder-Grimm-Gesamtschule lernen derzeit 43 Kinder unterschiedlicher Nationalitäten in drei Intensivklassen Deutsch.

Lehrer Reiner Metco-Zsolt betreut eine Klasse, die den Jahrgangsstufen 5 und 6 zugeordnet ist. 22 Stunden in der Woche lernen die Mädchen und Jungen, die zwischen zehn und 14 Jahre alt sind, Deutsch. Die meisten von ihnen sind aus ihren Heimatländern geflohen, kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Eritrea. Lehrer Metco-Zsolt selbst stammt aus Rumänien, ist in seiner Heimat auch deutschsprachig aufgewachsen und hat Deutsch für Ausländer studiert und in Rumänien unterrichtet. Der 45-Jährige lebt seit 2012 in Deutschland und unterrichtet seit Anfang 2016 in Bebra.

„Wir haben eine hohe Fluktiation in den Intensivklassen: Ständig kommen neue Schüler hinzu, andere geben wir in ihre Stammklassen ab, wenn sie ein bestimmtes Sprachniveau erreicht haben“, erklärt Metco-Zsolt. Alle Kinder sind jeweils einer Regelklasse zugeordnet, in der sie von Beginn an am Sport-, Kunst- und Musikunterricht teilnehmen. „Durch diese Querverbindung haben es die Kinder leichter, Freundschaften mit den übrigen Jungen und Mädchen zu schließen“, sagt der kommissarische Leiter der Schule, Manfred Brill.

Neben Reiner Metco-Zsolt arbeiten noch zwei weitere Lehrer in Intensivklassen. Sie treffen auf Kinder, die schon Schulen besucht und sogar ein bisschen Englisch gelernt haben, ebenso wie auf solche, die erst alphabetisiert werden müssen, also weder schreiben noch lesen können. „Für uns bedeutet das, dass wir sehr individuell mit den Kindern arbeiten müssen“, sagt Lehrer Metco-Zsolt.

In seiner aktuellen Klasse ist die Wissbegier der Kinder groß. Die Unterrichtsmaterialien sind unterschiedlich, reichen vom Memory-Spiel über Lückentexte bis hin zu kleinen Comics. Nacheinander üben einzelne Schüler mit Unterstützung eines CD-Players und Kopfhörern Lesen. Dabei korrigiert sie der Lehrer leise.

Die Intensivklassen sind für alle Kinder nichtdeutscher Herkunft eingerichtet worden. Sie werden vor allem, aber nicht nur, von Flüchtlingskinders besucht. An der Brüder-Grimm-Schule gibt es auch Jungen und Mädchen aus dem Senegal, aus Polen, Ungarn oder Thailand, die so auf den regulären Unterricht vorbereitet werden. Zwei Jahre lang dauert die intensive Förderung. „Das reicht nicht immer“, sagt Schulleiter Brill. Zwar sprächen manche schon nach einem Jahr perfekt Deutsch, andere hätten große Probleme und müssten eigentlich länger gefördert werden. Sie hätten oft traumatische Erlebnisse hinter sich und müssten psychologisch betreut werden. Das lässt erstmal wenig Raum zum Lernen.

Quelle: HNA

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