Redaktionsgespräch mit der TV-Legende

Intendant Wedel: Hersfelder Festspiele müssen raus aus politischen Streitereien

Kassel. Intendant Dieter Wedel erlebt im Moment den großen Widerspruch, in dem die Bad Hersfelder Festspiele stecken. Das Ziel der TV-Legende: Sie müssen raus aus den politischen Streitereien. Das sagte er im HNA-Gespräch.

Intendant Dieter Wedel erlebt im Moment ganz direkt den großen Widerspruch, in dem die Bad Hersfelder Festspiele stecken. Einerseits sind die Menschen dankbar, dass er endlich die Defizite benennt, unter denen das Festival seit Jahren leidet: mittlerweile sei das Image so beschädigt, dass die großen Stars kaum noch kommen. Er hört Sätze wie: Es war bisher ein Tabu, über die Festspiele zu schimpfen. Man ist erleichtert, dass der neue Intendant mit der großen Fernsehkarriere und dem Blick von außen unbestechlich den Finger auf die Schwachpunkte legt.

Gleichzeitig macht sich die Eitelkeit der Honoratioren bemerkbar, wie Wedel gestern im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung erzählte. Noch mit einem Tag Abstand war der Ärger über einen Kommunalpolitiker zu spüren, der bei einer Diskussion dachte, Wedel hätte ihn mit falschem Namen angesprochen und daraufhin verstimmt war, so Wedel. Der Politiker habe später zu dem Festspielchef gesagt: Er habe schon viele Intendanten kommen und gehen sehen – und alle hätten sie mit dem großen Welttheater angefangen. Eine Unverschämtheit, so Wedel, vor allem angesichts dessen, dass die Festspiele mehr Schrammen hätten als er. Das seien so Momente, wo er sich fragt, warum er sich das noch antut.

Zu viel Bürokratie

Unter bürokratischen Zwängen ächze der ganze Festspielbetrieb. Ein Beispiel: Es ist heute üblich, dass Festivals die Beleuchtungsausrüstung nur mieten statt kaufen und dann umständlich lagern und reparieren müssen, um alsbald mit einer veralteten Ausstattung dazustehen. Da der Magistrat der Stadt aber den Etat beschließt, ist es nicht leicht, einzelne Positionen zu verändern - es gibt derzeit kaum einen Posten fürs Mieten und einen überdimensionierten Haushalt für Anschaffungen. Wedel strebt auch aus diesem Grund die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH an.

„Viele lokale Größen betonen, wie sehr ihnen die Festspiele am Herzen liegen, in Wahrheit geht es aber nur um ihr Ego. Das ist scheinheilig.“ Weil die Konflikte mit der Stadtpolitik bei allen Intendanten aufgeflammt sind, erkennt Wedel, dass es „nicht um die Personen, sondern um die Struktur geht“. Er will die Festspiele endlich aus politischen Streitereien herausholen.

Ein aktueller Konfliktpunkt ist die Zukunft der Oper in der Bad Hersfelder Stiftsruine. Die Verträge mit dem Arbeitskreis für Musik (AfM), der dort im Anschluss an die Hersfelder Festspiele zwei Opern aufführt, laufen dieses Jahr aus, eine Neuregelung muss her, die auch die alte Feindschaft aufbricht - bisher gab es viel Streit um Probenzeiten, zum Teil konnten die Theaterleute erst nachts um zwei auf die Bühne. Wedel strebt an, in Kooperation mit einem Opernhaus der Region eine Oper ins Festivalprogramm zu integrieren und dafür den Monat August noch für die Festspiele nutzen zu können.

Hier können Sie nachlesen, wen Wedel in der kommenden Spielzeit auf die Bühne der Stiftsruine nach Bad Hersfeld holt.

Quelle: HNA

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