Indisches Springkraut verbreitet sich massenhaft im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Am Radweg zwischen Bad Hersfeld und Bebra: Springkraut, soweit das Auge reicht – hier ein Foto auf der Höhe von Friedlos. Foto:s  Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. In der Fuldaaue, an den Bächen und überall, wo es feucht ist, blüht es schon seit geraumer Zeit lila. Insekten schwirren zwischen den hoch wachsenden Pflanzen, die sich in den vergangenen Jahren rasant ausgebreitet haben.

Das Indische Sprinkraut oder Himalaya-Balsamine wird von den Naturschützern mit viel Aufwand bekämpft. „Es verdrängt die heimischen Arten“, sagt Michael Gräf vom Naturschutzbund (Nabu) in Wildeck.

Seit etwa 20 Jahren hält die Nabu-Gruppe das unerwünschte Kraut mithilfe von freiwilligen Helfern aus dem Naturschutzgebiet im Rhäden heraus. Zwei bis drei Tage im Jahr sind 20 Jugendliche und Erwachsene damit beschäftigt, kurz vor Ende der Blüte mit Weidenstöcken, die wie Macheten auf die Stängel wirken, die Samenbildung zu verhindern. Im Rhäden sei das Springkraut zwar wie in fast allen Feuchtgebieten heimisch, aber aus dem Naturschutzgebiet konnte man es bisher erfolgreich heraushalten.

Problem für Naturschützer ist es laut Michael Gräf, dass die Pflanze die heimischen Arten wie Schilf, Gräser und Farne verdränge.

Das Springkraut sei ein Problem für für die in Feuchtgebieten lebenden Pflanzen. So werde zum Beispiel der dunkelrot blühende Blutweiderich im Wuchs und bei der Bestäubung vernachlässigt, erklärt der Biologe Ralf Frank aus Rotenburg. „Aber ich bezweifele, dass wir die Verbreitung aufhalten können“, sagt er. Das könne nur auf kleinen Flächen gelingen.

Heute sei das Springkraut ein Problem, aber „die Natur hat für alles, was es zu viel gibt, eine Lösung“, blickt Frank über unser die Gegenwart hinaus. Langfristig fänden sich ein Pilz, Käfer oder andere Insekten.

Rosarot: Für Bienen ein beliebtes Ziel.

Auch Heinrich Wacker meint, die rasante Ausbreitung sei schon ein wenig erschreckend, dennoch sehe er dies gelassen - man könne es ohnehin nicht verhindern, ist er sich mit Frank einig. Vor 40 Jahrenschon hat der Landschaftsplaner und Fachmann für Gewässerrenaturierung im Fuldatal bei Braach das erste Springkraut gesehen. Heute nutzten viele Lebewesen das Himalaya-Springkraut, so etwa Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Ameisen, Rostpilze und Minimierfliegen. „So ist das in der Natur“, sagt Wacker.

Dieses Jahr sei zudem ein gutes Jahr für die bis zu zwei Meter hohe Pflanze. Diese sei sehr frostempfindlich. Fröste im Frühjahr und Trockenheit kann das Kraut nicht vertragen. Wie Frank meint auch Wacker, dass Rostpilze, Raupen, Läuse und andere Parasiten kommen werden. Schon jetzt leben nach seiner Beobachtung etwa 25 andere Tiere und Pflanzen von dem Neophyten, also dem Neueinwanderer in unsere Kulturlandschaft. Bei der Eiche allerdings sind es 380 andere Lebewesen.

Heinrich Wacker sorgt sich weniger wegen des Springkrauts. Ein echtes Übel seien vielmehr die giftige Herkulesstaude und der Chinesische oder Schlangenknöterich, der zwei Meter tief wurzele und jeden Frost überstehe.

Bienenweide im Spätsommer 

ber viele Wochen blüht das Indische Springkraut - Claudia Ruch verwendet díe Bezeichnung Balsamine - vom Juni bis zum Oktober. Für die Imkerin ist die Pflanze damit eine wichtige Trachtpflanze vor allem im Spätsommer. In blütenarmen Regionen könne die Pflanze Hauptbienenweide sein.

Vor Jahrzehnten hätten die Bienen und Hummeln im Spätsommer noch Kornblumen, Kamille und Mohnblumen als Nahrungsquellen genutzt. Die intensive Landwirtschaft heute biete den Insekten diese Quellen nicht mehr.

Reichlich Nektar und Pollen liefere dagegen die blühende Balsamine, die vor allem Nahrung für die Winterbiene sei, berichtet Claudia Ruch, die im Kreisimkerverband engagiert und Vorsitzende des Imkervereins Werratal-Heringen ist. Ausgleichsmaßnahmen der EU - etwa die Blühstreifen - reichten für die Honigbienen nicht aus, erklärt Ruch, die aber auch die Problematik der rasanten Ausbreitung des Indischen Springkrauts sieht.

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Quelle: HNA

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