Ideen für die Zukunft

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Diskutieren über die Zukunft: Die verschiedenen Arbeitsgruppen des Daseinsvorsorge-Wettbewerbs des Kreises stellten ihre Ideen in den Beruflichen Schulen Bebra der Bevölkerung vor.

Hersfeld-Rotenburg. Vor gut einem Jahr wurde der Landkreis Hersfeld-Rotenburg als eine von bundesweit 21 Regionen für das Programm Modellvorhaben der Raumordnung (Moro) ausgewählt.

Sie sollen Ideen entwickeln, wie das Leben im ländlichen Raum auch in Zukunft möglich ist - trotz der schrumpfenden Bevölkerungszahl mit stetig steigendem Altersdurchschnitt.

Am Freitag stellten die Experten der fünf Arbeitsgruppen ihre ersten Vorschläge bei einer Bürgerwerkstatt in den Beruflichen Schulen Bebra vor. Das sind die Eckpunkte der Vorschläge:

Medizinische Versorgung

Die Gemeindeschwester könnte wieder eingeführt werden. In den 1960er-Jahren hatten viele Gemeinden eine eigene Krankenschwester, die in Absprache mit einem Arzt Arbeiten übernahm, die heute ambulante Pflegedienste bieten. Dazu gehören: Medikamente verabreichen, Blutdruckmessen und Verbände wechseln. Eine Gemeindeschwester könnte nach Meinung der Experten die medizinische Grundversorgung auf dem Land sicherstellen, ohne dass ein Arzt vor Ort sein muss.

Bildung

Um kleinere Schulen nicht schließen zu müssen, könnten mehrere Klassen gemeinsam unterrichtet werden. Außerdem wäre es nach Auffassung der zuständigen Arbeitsgruppe von Vorteil, wenn sich mehrere Schulen eine Verwaltung und einen Hausmeister teilen würden.

Senioren

Der Anteil der älteren Menschen, die Pflege benötigen, wächst. Viele von ihnen scheuen das Heim, wollen nicht von zu Hause ausziehen. Nach Auffassung der Arbeitsgruppe braucht es deswegen Beratungsstellen, die Familien mit Pflegebedürftigen unterstützen. Oftmals seien es kleine, alltägliche Arbeiten im Haushalt, die den Senioren besonders schwer fielen. Hier könnten laut Prof. Dr. Rainer Winkel, einem der wissenschaftlichen Begleiter des Projekts, ehrenamtliche Hilfsdienste helfen. Außerdem wurde ein Wettbewerb ausgerufen, in dem erarbeitet werden soll, was Senioren brauchen, um sich hier wohlzufühlen.

Innenentwicklung

Die Kommunen weisen neue Flächen am Rande der Städte und Gemeinden aus, obwohl im Zentrum viele Ladenlokale leer stehen. Das muss sich ändern, sagt Rainer Winkel. Auch müsse teilweise ein Umdenken im Denkmalschutz her. Erhalten um jeden Preis, das gehe nicht. Stattdessen müsse man den Nutzen jedes Gebäudes prüfen. Der Tipp des Demografie-Experten für Hausbesitzer: „Lassen Sie kein Ladenlokal leer stehn! Vermieten Sie es vorrübergehend für wohltätige Zwecke oder an Künstler.“ Leere, unbelebte Räume würden das Stadtbild trüben.

Wasser und Abwasser

Hier ist das Problem erkannt, eine Lösung fehlt allerdings noch: Vor vielen Jahren, als die Rohrsysteme neu gebaut und geplant wurden, ging man von stetig steigendem Wasserbedarf aus. Das Gegenteil ist aber der Fall. Jetzt fließt zu wenig Wasser durch die Kanäle. Die Folge: Rohre verstopfen und Kläranlagen können nicht mehr richtig arbeiten.

Von Juri Auel

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Quelle: HNA

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