Ein Hotspot für Rotmilane

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Bei der Brutvogelkartierung gelang dieses Foto eines Rotmilans an der Franzosenstraße bei Schwarzenhasel. Gerade lässt er seinen markanten Ruf, ein hohes , in der Tonfärbung stark variierendes „Wiiieeh“ erklingen. Am häufigsten kann man seine Stimme in der Balzzeit hören. Foto: Arno Werner/nh

Rotenburg/Bebra. Überraschend haben sich Gutachter der Juwi Windkraftplaner bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) zum Datenaustausch gemeldet. Diese Gutachter bearbeiten laut Arno Werner überwiegend den Raum Cornberg, aber auch geringe Teile von Rotenburg, Bebra und angrenzende Gebiete. Man sei zu einem fast identischen Zwischenergebnis bei den Rotmilan-Revieren und Brutpaaren gekommen, sagt Werner.

Man sei sich weitgehend einig, dass an der Franzosenstraße eine sehr hohe Dichte des Rotmilans bestehe.

120 Rotmilane wurden aktuell innerhalb von 40 Tagen im Gebiet rund um die Franzosenstraße gezählt. Hier sei „ein echter Hotspot“ für den Rotmilan in Hessen, erklärt Arno Werner von der HGON im Kreis.

Seit Beginn des Heimzugs der Rotmilane in ihre Brutreviere an der Franzosenstraßesind sechs orts- und fachkundige Naturfreunde in ihrer Freizeit zwischen Bebra und Stolzhausen, Königswald und Cornberg unterwegs, um die Brut- und Nahrungsreviere zu kartieren.

Allein die Daten im März und April seien beeindruckend. „Altbekannte Reviere wurden bestätigt und neue kamen hinzu“, erklärt Werner weiter. Der Ortsvertrauensmann für Bebra und HGON-Arbeitskreisleiter, sammelt und wertet die Daten aus. Eine solche Dokumentation gehört zu den Vorarbeiten für das von der HGON angestrebte EU-Vogelschutzgebiet (siehe Hintergrund). Deshalb wird auch die Einstellung aller Planungen für Windkraftanlagen gefordert.

Kürzlich hatten Vertreter der REON AG, die an der Franzosenstraße (Windfeld HEF 012) Windkrafträder plant, in einer Informationsveranstaltung in Asmushausen erklärt, dass es weniger Rotmilane in dem Gebiet gebe als gedacht, und die Zahl stark schwanke (HNA vom 12. April). Die Erkenntnisse der HGON und der Juwi-Gutachter widerlegten nun die Aussagen von REON.

Nach der aktuellen Liste des Bundesamtes für Naturschutz sinken die Rotmilanbestände in Deutschland weiter, auch weil der Milan häufiger als jede andere Vogelart durch Kollision an Windenergieanlagen tödlich verunglücke, erklärt Werner.

Bezüglich von Windkraft-Anlagen bei Nentershausen-Dens war seitens des Verwaltungsgerichtshofs Kassel schon festgestellt worden, dass in Dichtezentren des Rotmilans - etwa zehn Brutpaare pro 100 Quadratkilometer - die Tötungsgefahr dieser seltenen Vogelart an den Windkraftanlagen zu hoch sei.

Die Planungen von Windkraftanlagen seien in der für die Tier- und Vogelwelt wertvollen und zudem windschwachen Region nicht im öffentlichen Interesse, sagt Werner. (ank)

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Quelle: HNA

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