Brief war zehn Tage unterwegs

Hoher Krankenstand sorgt für "Schneckenpost" in Rotenburg

Schwarzenhasel. Zehn Tage hat ein Brief aus dem Rotenburger Rathaus bis in den Stadtteil Schwarzenhasel gebraucht. Ein Umstand, der für Unmut bei Kunden gesorgt hat und von der Post mit einem hohen Krankenstand erklärt wurde.

Lothar Glaser, der Ortsvorsteher von Schwarzenhasel, hat sich schon sehr gewundert: Post für ihn aus dem Rotenburger Rathaus war zehn Tage lang unterwegs - vom 25. April bis zum 5. Mai. „Da kann man ja wohl getrost von Schneckenpost sprechen“, sagt er. Über das verlängerte erste Mai-Wochenende habe es gar keine Post gegeben.

Sein Ortsvorsteher-Kollege Hermann Schade aus Erkshausen kann ihm nur beipflichten: „Nicht so pralle“, sei die Postzustellung über zwei Wochen lang gewesen, sagt er. Inzwischen habe sich die Lage normalisiert. Glaser ist froh, dass keine wichtigen Terminsachen in seiner Post waren. Dennoch möchte er wissen, wie so etwas passieren kann.

Lothar Glaser

Thomas Kutsch, Pressesprecher der Post, erklärte auf Anfrage, es habe in der 18. Kalenderwoche, in die der 1. Mai fiel, einen massiv erhöhten Krankenstand bei den Zustellern gegeben. Diesen habe man auch nicht durch Vertretungen aufgefangen können. Ein solch hoher Krankenstand sei unvorhersehbar gewesen und komme nur selten vor.

Üblicherweise müssen die Kollegen der benachbarten Zustellbezirke die Post des Erkrankten am ersten Tag mit zustellen. Da sie aber eine Arbeitszeit von zehn Stunden am Tag nicht überschreiten dürfen, könne es sein, dass sie die Zustellung nicht überall schafften. Einen Tag später müssten zusätzliche Vertretungen einspringen und den Bezirk übernehmen.

Dass die Post ein strukturelles Problem und einfach zu wenig Personal haben könnte, verneinte Kutsch: Die Personaldecke sei so ausgelegt, dass die Zustellbezirke in der vorgeschriebenen Arbeitszeit von wöchentlich 40 Stunden abgearbeitet werden könnten. „Wenn da jemand permanent hinterherhinkt, muss man die Ursachen erforschen“, sagte Kutsch. Der Zusteller müsse das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen.

Die Bezirke seien sorgfältig bemessen worden und würden auch auf Veränderungen überprüft, die ein erhöhtes Postaufkommen mit sich bringen. Eine „Pi-mal-Daumen“- Formel für die Größe eines Zustellbezirkes gebe es nicht, erklärte der Pressesprecher Kutsch. Wegezeit, die Besiedlung des Gebietes und die Anzahl der Brief- und Paketpost spielten eine Rolle dabei.

Für die lange Wartezeit der Kunden in der 18. Kalenderwoche bittet Kutsch die Kunden um Entschuldigung. (sis)

Quelle: HNA

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