Hoffnung nach der Flut: Rotenburger bringt Hilfsgüter nach Bosnien

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Hilfe, die auch wirklich ankommt: Direkt am Fahrzeug wurden die Hilfsgüter an die Bedürftigen verteilt. Besonders begehrt waren Gummistiefel, die in den verschlammten Straßen beim Aufräumen auch dringend benötigt wurden.

Rotenburg/Duboj. Nach dem Hochwasser auf dem Balkan stehen die einstigen Feinde aus dem blutigen Bürgerkrieg eng zusammen. Diese Erfahrung machte Nedzad Ramadani, als er mit Hilfsgütern aus der Region in seine alte Heimat fuhr.

„Keiner guckt mehr, ob du Moslem, Kroate, Bosnier oder Serbe bist - alle helfen“, erzählt der 39-jährige Bauunternehmer, der selbst einst als Kriegsflüchtling nach Rotenburg kam, nach der Rückkehr aus seiner bosnischen Heimatstadt Duboj. Die 35.000 Einwohnerstadt im Norden Bosniens wurde von Hochwasser schwer verwüstet. „Das Wasser hat sich zurückgezogen, aber es hinterlässt überall Chaos: Die Straßen sind bedeckt mit Müll und Schleim, die Stadt Duboj sieht grausam und traurig aus“, schildert Ramadani seine Eindrücke.

Spontan hatte Ramadani, der selbst drei Kinder hat, über unsere Zeitung um Sachspenden gebeten. Auch sein Neffe in Bad Hersfeld hatte Hilfsgüter gesammelt. Die Resonanz war riesig. „Die Bitte um Spenden kam kurzfristig, und manche waren wohl etwas skeptisch, weil sie mich nicht kannten, aber trotzdem war die Hilfe enorm.“

Am 23. Mai machte sich Ramadani mit drei Kleintransportern voller Hilfsgüter - vor allem Kleidung, Reinigungsmittel, Werkzeug und Lebensmitteln - auf den 1200 Kilometer langen Treck nach Duboj - vorbei an überschwemmten Feldern, die keine Ernte mehr tragen, verschlammten Straßen und verheerten Häusern. „Die einzige positive Sache ist, dass die Menschen sehr fleißig sind, und dass aus allen Städten Bosniens und sogar aus Nachbarländer Leute zum Helfen und Aufräumen kommen“, erzählt er gerührt. Die Flut spült die letzten Vorbehalte der einstigen Kriegsgegner davon.

Vorerst sei genug Hilfe vor Ort, berichtet Ramadani aus seinem Heimatort. Auch die Hilfe der Regierung läuft offenbar reibungslos an, sagt er. Ramadani selbst will in etwa drei Wochen erneut auf den Balkan aufbrechen, um weitere Hilfsgüter in die Region zu bringen. „Dann sind die Häuser abgetrocknet und die Bewohner kehren zurück - und brauchen dann Hilfe beim Renovieren“, sagt er. Ramadani dankt allen Spendern aus der Region, von deren spontaner Hilfsbereitschaft er gerührt und begeistert ist. „Ich versichere, dass alle Spenden auch wirklich angekommen sind“. Wie dringend sie dort gebraucht werden, das steht wohl außer Frage.

Von Kai A. Struthoff 

Kontakt: Wer weiter helfen will, erreicht Nedzad Ramadani unter 0172 / 53 51 189 oder per E-Mail unter nedzadramadani@aol.com

Quelle: HNA

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