Gloria Dück ist Pfarrerin, weil sie sich dazu berufen fühlt

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Den Schlüssel zur Solzer Kirche hat Pfarrerin Gloria Dück stets griffbereit. Sie übernimmt in der Gemeinde ehrenamtlich viele Aufgaben. Foto:  Vera Walger

Solz. „Man darf nicht so viel darüber nachdenken, warum man Pfarrerin werden will“, sagt Gloria Dück. „Man muss sich berufen fühlen.“ Und sie fühlte sich berufen. Gloria Dück ist Pfarrerin mit ganzer Kraft und Überzeugung. „Da bin ich sicher, da bin ich zu Hause“, erklärt sie. Und wer sie erlebt, in der Solzer Kirche oder anderswo, der glaubt ihr aufs Wort.

Seit mehr als 25 Jahren übt sie diesen Beruf aus. Das ist gut halb so lange wie es überhaupt Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gibt. Die ersten Frauen wurden 1962 ordiniert - und sie hatten es nicht gerade leicht. Als Gloria Dück, damals hieß sie noch Hampl, 1975 ihr Theologie-Studium begann, und als sie sich später dafür entschied, Pfarrerin zu werden, hegte sie keinerlei Bedenken wegen ihres Frauseins. „Ich habe da keine Schwierigkeiten gespürt“, sagt sie. Und auch keine Angst. „Ich habe meine Eltern früh verloren, vor Verantwortung habe ich mich nicht gefürchtet.“ Außerdem, fügt sie hinzu, „gibt es den Heiligen Geist, auf den ich vertraue“.

Dennoch gab es auch auf ihrem beruflichen Weg Hindernisse zu überwinden, die durchaus mit ihrem Geschlecht zu tun hatten – siehe zweiter Artikel.

Heute für Frauen einfacher

Heute ist es für Frauen sicherlich einfacher, Pfarrerin zu werden. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der evangelischen Theologie-Studenten weiblich. Wird Pfarrer mehr und mehr zum Frauenberuf? Das glaubt Gloria Dück nicht. Wohl aber, dass sich das Bild des Berufs durch die Frauen gewandelt hat. Die Stärken von sich und ihren Kolleginnen sieht sie zum Beispiel in der Seelsorge. „Wir sind vielleicht sensibler, hören mehr Zwischentöne.“ Andererseits falle es Frauen meist schwerer, sich abzugrenzen, die schwierige Gratwanderung zwischen Beruf und Privatleben zu meistern. Die jüngere Pfarrerinnen-Generation sei da wohl anders, distanzierter. Für sich selbst weiß und akzeptiert Gloria Dück jedoch, dass es in ihrem Beruf, ihrer Berufung, eigentlich keinen Feierabend gibt: „ Pfarrerin bleibt man immer.“

Von Vera Walger

Quelle: HNA

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