Weniger öffentliche Aufträge – Bedeutung der Infrastruktur

Die Hochbauer jubeln, die Tiefbauer klagen

Hersfeld-Rotenburg/Kassel. Während sich Hoch-, Um- und Ausbaugewerbe vor Arbeit kaum retten können, kommt der Tief- und Straßenbau kaum über die Runden. So stellt sich die Situation im Raum Kassel dar, im Kreis Hersfeld-Rotenburg äußern sich die Baufirmen zurückhaltender.

Die Winterpause ist weitgehend ausgefallen. „Viele Betriebe sind ausgelastet“, berichtet Thilo Gerke, Innungsobermeister und Bezirksstellenleiter des Verbandes baugewerblicher Unternehmen. Dafür sehe es im Tiefbau eher mau aus. „Die öffentliche Hand vergibt kaum Aufträge“, so Gerke. „Hochbau gut, Tiefbau dünn“, sagt Dr. Anne Fenge, Chefin des Bezirks Nordhessen des Bauindustrieverbands. Auch der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Burkhard Siebert, spricht von einer „phänomenalen Entwicklung im Hochbau“, beklagt aber gleichzeitig die „sehr schlechte Lage im Tiefbau“ und die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand. Gerade die Kommunen vergeben kaum Aufträge.

Zuversichtlich gehen die Verkehrswegebauer der Kirchheimer Bickhardt Bau AG in die bevorstehende Saison. Zwar herrsche noch kein Hochbetrieb auf den Baustellen, doch lasse der milde Winter deutlich mehr Bautätigkeiten zu als im Vorjahr. „Schon jetzt haben wir eine Vollauslastung für die nächsten zehn Monate. Das ist bei der zuletzt zurückhaltenden Ausschreibungstätigkeit der öffentlichen Hand ein gutes Ergebnis“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Ralf Schär. Als positives Signal wertet er das Bekenntnis der großen Koalition zu mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur.

Zurückhaltender ist Peter Hübner, Vorstandsmitglied der Strabag AG und Geschäftsführer der Hermann Kirchner Bauunternehmung GmbH: „In Hessen läuft das Jahr nur schleppend an, und Hersfeld-Rotenburg bildet da keine Ausnahme. Es gibt seitens Bund, Land und Kommunen zu wenige Verkehrswegebauprojekte.“ Dem Ausbau und der Sanierung von Straßen werde zu wenig Bedeutung beigemessen. (jop/nm)

Quelle: HNA

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