Fündig wird die Theater-Expertin unter anderem auf Flohmärkten oder bei Ebay

Vom Bett bis zum Brief: Doris Engel sorgt bei den Festspielen für die Requisiten

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Chefsammlerin: Auch dieses Grammophon hat Doris Engel extra für die Festspiele besorgt. „Man muss Ideen haben, erfinderisch sein und Dinge einfach ausprobieren“, sagt die Leiterin der Requisite über ihren Job.

Bad Hersfeld. An der Decke baumelt ein Skelett, der rot-orangefarben in der Sonne leuchtende Hummer ist aus Plastik und in einem Gehege auf dem Boden krähen zwei Hähne. Den Überblick über dieses Sammelsurium behält Doris Engel.

Sie leitet die Requisite für die 66. Bad Hersfelder Festspiele und ist für die Ausstattung sämtlicher Stücke verantwortlich – vom Bett bis zum Brief. Unterstützt wird sie von zwei Mitarbeiterinnen.

Engel ist gelernte Tischlerin, sie hat Theaterwissenschaft und Kunsterziehung studiert, ist viel herumgekommen und war in den vergangenen Jahren in erster Linie als Bühnen- und Kostümbildnerin tätig. Mit Freiluft-Theater kennt sie sich aus, in Bad Hersfeld ist Engel jedoch zum ersten Mal.

Nach ersten Besprechungen im April, ist sie seit Anfang Mai im Einsatz. Zunächst galt es, die Requisite im Werkstattbereich neben der Stiftsruine aus dem Winterschlaf zu erwecken und sich einen Überblick über den reichhaltigen Fundus zu verschaffen.

Spätestens zum Probenbeginn sollte ein Großteil der benötigten Requisiten vorhanden sein. „Die Regisseure freuen sich über alles, was schon fertig ist, und auch den Schauspielern erleichtert es die Arbeit“, weiß Engel. Trotzdem könne es auch mal vorkommen, dass ein Schwertkampf zunächst mit Holzlatten ausgetragen werden müsse ...

Realistische und mit viel Liebe hergestellte Requisiten seien wie ein Geschenk für die Darsteller, so Engel, der die Leidenschaft für ihren Job anzumerken ist.

„Ein kleines Abenteuer“

„Es gibt ständig neue Herausforderungen, das ist das spannende am Theater und jedesmal ein kleines Abenteuer“, sagt die aus München stammende Wahl-Berlinerin. Auch für die aktuelle Festspiel-Saison gebe es noch das ein oder andere Fragezeichen. Zum ersten Mal besorgen musste sie zwei lebendige Hähne, die es natürlich auch gut zu versorgen gilt.

Fündig bei der Suche nach den passenden Requisiten wird Engel zum Beispiel auf Flohmärkten, bei Ebay oder beim Schrotthändler, ab und zu helfen auch Tipps von Freunden oder Bekannten. Mitunter fährt die Requisiteurin durch ganz Deutschland, um das Objekt der Begierde abzuholen. Beim Feilschen hilft oft der Hinweis auf die Verwendung im Theater. „Das freut viele Verkäufer und sie kommen einem entgegen“, hat Engel festgestellt, die ein begrenztes Budget einzuhalten hat. Oft sind auch historisches Wissen oder entsprechende Recherchearbeiten nötig. „Requisiten sind nicht nur Beiwerk, sie haben mitunter große Bedeutung für ein Stück. Ohne sie funktionieren viele Szenen gar nicht“, erklärt Engel. „Auch die Zuschauer achten darauf.“

Eine ganz neue Erfahrung war für die „Chefsammlerin“ und Theaterexpertin übrigens der Filmdreh mit Intendant und Regisseur Dieter Wedel. „Beim Film fällt ein Riss im Glas, anders als auf einer großen Bühne, sofort auf.“

Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

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