Historische Kupfer-Axt gehört den Bebranern

Geheimnisvolles Fundstück: Dr. Irina Görner mit der einzigartigen Kupferaxt aus Bebra. Foto: Oschmann

Bebra. Die Kupferaxt von Bebra - sie ist ein einziges Geheimnis. Rätselhaft sind ihre Bedeutung, Entstehungsgeschichte, wissenschaftliche Einordnung. Viele Fragen ranken sich um das besondere historische Fundstück.

Nur eins ist sicher: Bebraer Schulkinder entdeckten die Kupferaxt beim Spielen am unteren Bebrabachlauf in der Nähe der alten Blitzenburg, im Umkreis des alten Rathauses. Dies hat der Kasseler Stadtarchivar Wilhelm Niemeyer 1960 einwandfrei nachgewiesen.

Die Kupferaxt von Bebra stammt wohl aus der Zeit von 2800-2000 v. Chr. (Endneolithikum) und zeichnet sich vor allem durch ihren mitgegossenen Metallstiel, eine stumpfe Schneide, Reste einer Fischgratverzierung und ihr hohes Gewicht aus: Mit 2,5 Kilogramm war sie kaum zu benutzen.

Nichts Vergleichbares 

Davon ist Dr. Irina Görner überzeugt. Die Archäologin arbeitet im Hessichen Landesmuseum Kassel in der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunstpause am Mittag“ stellte sie die seltene Kupferaxt vor.

Es gibt kein vergleichbares Stück, vor allem wegen des mitgegossenen Stiels. Bis heute versuchen Forscher zu klären, ob Steinäxte als Vorbild für die Kupfervarianten dienten oder umgekehrt. Und da die eindeutige Datierung der Kupferäxte nicht möglich ist, könnten sie durchaus Vorbild gewesen sein.

Kupferäxte wurden eher einzeln gefunden, das Material war noch neu und erforderte hohes handwerkliches Können. Im praktischen Alltag kamen sie nicht zum Einsatz, auch nicht als Grabbeigaben, eher hatten sie religiöse oder göttliche Bedeutung, dienten als eine Art Abzeichen oder Würdezeichen.

Nach Kassel kam die Kupferaxt 1906, als sie der hiesige Museumsdirektor Johannes Boehlau ankaufte. Er und alle anderen Beteiligten hatten stets Bebra als Fundort verschwiegen. Sonst hätten sie nämlich das wertvolle Fundstück dem dortigen Museum kostenfei überlassen müssen. Laut einer damals noch geltenden Vorschrift von Landgraf Friedrich II von 1780. So gehört die Kupferaxt eigentlich den Bebranern. Ende 2015 soll sie im Kasseler Landesmuseum ausgestellt werden.

Von Sabine Oschmann

Quelle: HNA

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