Pädagogen und Sozialarbeiter informierten sich über Möglichkeiten der Hilfe

Hinschauen beim Mobbing

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Interessierte Zuhörer: 75 Pädagogen und Sozialarbeiter aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg und dem Werra-Meißner-Kreis befassten sich in Rotenburg mit dem Thema Mobbing. Vorn links Referent Dr. Peter Rosenkranz.

Rotenburg. Mobbing unter Kindern und Jugendlichen ist kein neues Phänomen, aber die Heftigkeit, mit der es betrieben wird, hat zugenommen. Hinzu kommt das neuere Cybermobbing, Beleidigungen und Bloßstellungen Einzelner im Internet.

Mit dieser Problematik befassten sich am Donnerstag 75 Pädagogen und Jugendbetreuer aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg und dem Werra-Meißner-Kreis bei einer Fachtagung im Rotenburger Jugendhof.

Referent Dr. Peter Rosenkranz, der 35 Jahre im Schuldienst war und jetzt unter anderem als Mobbing-Berater arbeitet, mochte sich nicht mit Wortklaubereien aufhalten. Was man Mobbing nennen kann oder was nicht, sei völlig unwichtig: „Wenn es einem Kind schlecht geht, sind wir in der Pflicht, zu handeln“, stellte er fest und hatte durchaus klare Handlungsanweisungen parat.

Kultur des Hinschauens

Denn betroffene Kinder oder Jugendliche könnten Mobbing nicht aus eigener Kraft beenden. Mobbing stoppen sei jedoch oberstes Ziel. Das heißt, das Opfer schützen und die Strukturen, die Mobbing ermöglichen, beseitigen. Und dazu sei eine Kultur des Hinschauens nötig - von allen Pädagogen. Nicht abwiegeln, nicht verniedlichen, sondern hinschauen und das Opfer wahrnehmen. In Arbeitsgruppen konnten die Teilnehmer Näheres über Mobbing erfahren.

Eine Methode stellte Dr. Rosenkranz jedoch für alle vor:„No Blame Approach“ heißt sie und soll helfen, Mobbing effektiv zu stoppen, ohne Schuldzuweisung und Bestrafung. Wichtig ist zunächst das Gespräch mit dem Opfer. Der betroffene Jugendliche oder das Kind muss zustimmen, dass ihm geholfen wird. Erst dann darf man handeln. Bei der „No-blame-Aproach“-Methode heißt das, dass man sich eine Gruppe sucht, zusammengesetzt aus mobbenden und sozial eingestellten Klassenkameraden des Opfers. Sie alle werden um Hilfe gebeten, damit es dem betroffenen Kind besser geht. Wichtig laut Dr. Rosenkranz: kein Druck, keine Vorwürfe an die mobbenden Teilnehmer der Helfergruppe, keine Debatte über Ursachen oder Schuldzuweisungen.

Stattdessen einfach die Ideen der um Hilfe Gebetenen sammeln, Aufgaben zuteilen und später nachfragen, wie sich die kleinen Hilfsdienste entwickeln. Wichtig sei dabei die wertschätzende Haltung zu allen Teilnehmern und Vertrauen zu ihnen. Erst nach Ende des Mobbings sollte man das Thema in Gesprächen nachbereiten.

Von Silke Schäfer-Marg

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Quelle: HNA

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