Das erste Kunstherz wurde am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) in Rotenburg implantiert

Erstes Kunstherz am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) in Rotenburg implantiert

Kann wieder lachen: Albert Abbes hatte infolge seiner Herzschwäche 20 Kilo Gewicht, vor allem Muskelmasse, verloren, weil er sich kaum noch bewegen konnte und auch keinen Appetit mehr hatte. Jetzt läuft er wieder mit Rollator über die Flure, und der Appetit kommt wieder. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Rotenburg. Niederschmetternd war die Diagnose für Albert Abbes. Sein Herz drohte zu versagen. Es erreichte nur noch 15 Prozent der normalen Leistung: „Ich war austherapiert“, sagt der 77-Jährige aus Wiesbaden.

Er konnte keine zehn Meter mehr laufen, lag fast nur noch und benötigte Sauerstoff. Nach Bypass-Operationen, zwei neuen Herzklappen, Wiederbelebung und dem Einsatz eines Defibrillators wollte das Herz von Albert Abbes nicht mehr. Aber er wollte.

Im Herz- und Kreislaufzentrum schlug ihm der Direktor der Kardiologie, Prof. Dr. Christian Vallbracht, ein Kunstherz vor. Auf einen solchen Eingriff hatte man sich im HKZ vorbereitet, seit Privatdozent Dr. Ardawan Rastan neuer Chefarzt der Herz- und Gefäßchirurgie ist. Albert Abbes sollte der Erste sein.

Beim Kunstherzen handelt es sich um eine Pumpe, die die Leistung des Herzens ganz oder zum Teil übernimmt. Es kann Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) wie Albert Abbes das Leben retten, wenn Medikamente und Schrittmachersysteme nicht mehr helfen und die Patienten auch in Ruhe kaum noch Luft bekommen.

„Kunstherz-Systeme unterstützen das Herz wie ein Hilfsmotor das Fahrrad“, erklärt Dr. Rastan. Mit dem Fahrrad kann man dann spielend Berge erklimmen – das Kunstherz sorgt dafür, dass das Herz wieder mehr Leistung erbringt und sauerstoffreiches Blut bis in die Zehenspitzen gelangt.

Sogenannte „Assist Systeme“ unterstützen meist die linke Herzkammer, die den Körper mit sauerstoffreichem Blut versorgt, und die dafür besonders viel Kraft benötigt.

Eine Kanüle wird in die linke Herzkammer eingeführt. Sie ist etwa drei Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 1,5 Zentimetern. Durch sie gelangt das Blut in eine kleine Pumpe, die das Blut weiter in die Körperschlagader befördert. Das System liegt direkt neben dem Herzen (siehe Zeichnung).

Über ein kleines Kabel, das aus dem Bauch des Patienten kommt, wird die Pumpe mit Energie versorgt. In einer Art Handtasche hat Albert Abbes ein kleines Kontrollgerät und die Batterien bei sich. Alle paar Stunden müssen sie aufgeladen werden.

Das Kunstherz trägt der 77-Jährige seit Ende September in seiner Brust. Bis dahin dachte er noch, sein Schicksal in Würde annehmen zu müssen. Heute kann er wieder lachen und läuft mit Rollator, ohne dass ihm gleich die Luft wegbleibt. Der ehemalige Lebensmittelkaufmann sitzt munter in seinem Zimmer auf der chirurgischen Station des Herz- und Kreislaufzentrums. „Ich fühle ich mich wie neu geboren“, sagt er und strahlt.

In ein paar Wochen, so seine berechtigte Hoffnung, kann er wieder mit Hund Pippi am Rhein entlangspazieren. Auch sein Herzenswunsch mit dem neuen Herzen scheint sich zu erfüllen: Der 77-Jährige möchte seine vier Enkel noch ein wenig begleiten.

„Dass ich noch lebe, habe ich nur dem HKZ zu verdanken“, sagt Albert Abbe. Und seiner Frau Birgit.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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