Im Rotenburger Café International unterstützen Ehrenamtliche Flüchtlinge

Hilfe im fremden Alltag

Gelebte Willkommenskultur: Im Rotenburger Café International treffen sich ehrenamtliche Helfer immer mittwochs mit Flüchtlingen. Das Café ist ein Ort der Begegnung und der konkreten Unterstützung. Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Das Café International im Rotenburger Bonhoeffer-Haus hat sich etabliert. Jeden Mittwoch treffen sich hier engagierte Rotenburger und Flüchtlinge, die der Stadt vom Kreis zugewiesen wurden, zu Gesprächen und konkreter Hilfe. Das Café ist erst vor wenigen Monaten auf Initiative der evangelischen Kirchengemeinde eröffnet worden.

Zwei junge Männer aus Eritrea sitzen mit Nestor Bauer am Tisch und brüten über Fragebögen für den Führerschein. Am Nachbartisch unterhalten sich Frauen, Kinder spielen Brettspiele. Biggi Stein von der evangelischen Jugendhilfe Rotenburg-Alheim und Gundula Pohl von der Flüchtlingsberatung der Diakonie versuchen einem jungen Mann Mut zu machen. Gerade erst haben sie für ihn einen Brief an die zuständige Behörde geschrieben, um zu erreichen, dass er wieder mit seiner Frau zusammenleben kann. Das Paar war in den Wirren der Flucht getrennt worden, jetzt ist die Frau in einem Flüchtlingsheim in Magdeburg untergebracht. Asylgesetz und Bürokratie stehen einem kurzfristigen Wiedersehen erstmal entgegen.

Gisela Franke aus Rotenburg hatte die Initiative ergriffen: Sie entdeckte den jungen Mann auf einer Bank am Fuldaufer. „Er sah so traurig aus, da habe ich ihn einfach angesprochen“, erzählt sie.

Um Lösungen bemüht

Die Flüchtlinge, die das Café International besuchen, wissen, dass man ihre Anliegen hier ernst nimmt und sich um Lösungen bemüht. Neben Biggi Stein und Gundula Pohl sind es Ehrenamtliche, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Sie helfen beim Ausfüllen von Anträgen, bei der Wohnungssuche, bei der Beschaffung von Möbeln, bei Arztbesuchen – kurz: bei der Bewältigung des noch fremden Alltags.

Die Flüchtlinge danken auf ihre Weise: Erst vor kurzem haben sie ihre Helfer zu einer Kaffeetafel eingeladen. Eritreer haben landestypische Speisen zubereitet, Kaffeebohnen geröstet und Kaffee daraus zubereitet. „Sie haben sich richtig für uns ins Zeug gelegt“, erzählt Biggi Stein.

Angefreundet haben sich auch Petra Kreis und die schwangere Sara aus Äthopien. „Sie nennt mich Oma“, lacht Petra Kreis. Sie hat einen Strickkurs im Café International angeboten. Jetzt arbeitet sie selbst an einem Jäckchen für Saras Baby. Saras Mann macht gerade ein Praktikum zur Berufsvorbereitung – ein Projekt der Kreishandwerkerschaft.

Die Flüchtlinge, die das Café International besuchen, kommen nicht aus der Erstaufnahmeeinrichtung, der Kaserne. Sie sind zum Teil schon über ein Jahr in Rotenburg und sprechen ein wenig Deutsch. Auch das haben sie zunächst mit ehrenamtlicher Hilfe gelernt. Ihre Zukunft sehen sie hier.

Von Silke Schäfer-Marg

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