Spezialisierung auf elektrophysiologische Untersuchungen

HKZ investiert 800.000 Euro in moderne Herz-Katheteranlage

Schon der Monitor ist beeindruckend: Der Kardiologe und Elektrophysiologe Dr. Stefan Steiner an der neuen EPU-Anlage. Sie verfügt über zwei separate Röntgenröhren. Die Bilder und Signaldaten werden auf einem riesigen Bildschirm angezeigt. Foto: Janz

Rotenburg. Das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ) investiert in sein Kerngeschäft: Die Spezialklinik hat 800.000 Euro in eine neue, spezialisierte Katheteranlage gesteckt, mit der elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) gemacht werden.

Sie dient der genauen Diagnose, aber auch der Behandlung von Herz-Rhythmus-Störungen. Nach Angaben des Anlagen-Herstellers Siemens gibt es bundesweit nur zwölf dieser Anlagen. Die nächsten stehen in Göttingen und Frankfurt. „Auf diesen Gebieten der Kardiologie haben wir universitären Standard“, sagte der HKZ-Aufsichtsratsvorsitzende, Peter Klufmöller, bei der Vorstellung der Anlage stolz. Und der Direktor der Kardiologie, Prof. Dr. Christian Vallbracht, schwärmt von „Europas schönstem EPU-Labor“.

Schon seit 15 Jahren macht das HKZ derartige Untersuchungen, mit denen die Ströme innerhalb des Herzens gemessen werden. Das gibt Aufschluss, wo genau eine Rhythmus-Störung sitzt. Dabei sind die Ergebnisse der EPU weitaus genauer als etwa ein EKG, erklärt der Kardiologe Dr. Stefan Steiner.

Am häufigsten seien Rhythmusstörungen angeboren. Sie könnten oft direkt bei der Untersuchung mit einer Ablation geheilt werden. Dabei wird ein Teil des Gewebes mit Hitze oder Kälte aus der Katheterspitze verödet, sodass der kreisförmige Strom nicht mehr fließen kann, der das Herz stört. Ohne Ablation hilft die EPU, die beste Therapie für den Patienten zu finden - vom Medikament bis zum Herzschrittmacher.

Steiner, den die Kollegen Elektro-Steiner nennen, ist einer von zwei Elektrophysiologen am HKZ. Aber auch einige junge Ärzte arbeiten sich in dieses Feld ein. „Es ist nicht nur die Anlage, sondern es sind auch die Mitarbeiter, die mit Talent, Hingabe und Kompetenz dem HKZ einen Vorteil gegenüber anderen Häusern verschaffen“, sagt Geschäftsführer Ulrich Hornstein.

Die neue Anlage sei eine Reaktion auf den steigenden Bedarf. Jährlich gibt es am HKZ knapp 200 elektrophysiologische Untersuchungen und 150 Ablationen. Bei komplexeren Eingriffen beträgt die Wartezeit laut Steiner bis zu fünf Wochen.

Gerade aufwändigere Operationen seien im größeren Untersuchungsraum mit Tageslicht nun deutlich einfacher. Waren die Verhältnisse bislang beengt, hat jetzt auch ein Anästhesist bequem Platz. Diese Woche fand die erste EPU unter Narkose statt. „Mit der Anlage macht es einfach Spaß zu arbeiten“, sagt Steiner begeistert.

Hintergrund

Die neue Anlage für elektrophysiologische Untersuchungen am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) hat zahlreiche Vorzüge gegenüber ihrem Vorgänger. Sie machen Katheteruntersuchungen einfacher und präziser:

• Das System ist biplan, verfügt also über zwei Röntgenröhren. Sie erlauben es, den Patienten gleichzeitig aus zwei unterschiedlichen Ebenen zu durchleuchten, um die Lage des Katheters im Herzen genau zu bestimmen. Das spart Zeit, weil die Röntgenröhre nicht immer wieder gekippt werden muss.

• Die Anlage kann die elektrischen Signale des Katheters als dreidimensionales Modell des Patientenherzens darstellen. Der Kardiologe hat alle Daten auf einem riesigen Computermonitor im Überblick. Zusätzlich gibt es einen Messplatz, an dem ein Kollege bei komplexen Untersuchungen assistieren kann.

• Die neue Röntgenanlage ist so beweglich, dass sie einmal rund um den Patienten gefahren werden kann - wie es auch bei einer Computertomographie geschieht. Laut Kardiologe Dr. Stefan Steiner kann die Anlage mit ihrer dreidimensionalen Bildgebung deshalb in bestimmten Fällen eine vorherige Kernspintomographie ersetzen.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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