64. Bad Hersfelder Festspiele: „Sekretärinnen“ machen den Eichhof zu ihrer Bühne

Respekt für die „Tippsen“

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Wie der Cola-Light-Mann die Sekretärinnen im Cola-Werbespot, bringt Fabian Baumgarten die Bürofachkräfte im Eichhof-Stück „Sekretärinnen“ in Wallung. Foto: Iko Freese/drama berlin

Bad Hersfeld. Es gilt das gesungene Wort: Auch wenn Sekretärinnen oft Geschwätzigkeit nachgesagt wird, im gleichnamigen Festspielstück, das am Mittwochabend am Schloss Eichhof Premiere feierte, fällt (fast) kein einziges Wort. Allein über die Musik wird das Leben der Damen im Büroalltag und abseits dessen transportiert.

„Sekretärinnen“ ist einerseits Musical, andererseits Komödie – jedenfalls ein Liederabend mit Songs von Hildegard Knef bis Led Zeppelin. Einen Plot, eine Geschichte – von der Annäherung der Auszubildenden und des Büroboten einmal abgesehen – gibt es in dem Stück von Franz Wittenbrink nicht. „Sekretärinnen“ ist weder politisch (von der unterschwelligen Kritik am Umgang mit den „Tippsen“ einmal abgesehen), noch überraschend, aber ein großer Spaß.

Es geht um Liebe und Leid im Leben der Damen, die in ihren grauen Kostümen auf den ersten Blick uniform wirken, aber doch ganz unterschiedlich sind. Annette Lubosch beispielsweise verkörpert die im grauen Rollkragenpullover und mit Hochsteckfrisur streng und spaßbefreit wirkende Sekretärin Anke, Yara Hassans Figur Jessica versprüht im engen Top und mit hohen Hacken von Anfang an Sexappeal. Wie viele Eichhof-Stücke lebt „Sekretärinnen“ von den fabelhaften Darstellerinnen, die nicht nur hübsch anzusehen sind, sondern ihren Rollen Leben einhauchen und sie sympathisch machen. Akzente setzen immer wieder Lea Isabel Schaaf als schüchtern-unbeholfene Anfängerin Laura und Fabian Baumgarten als tollpatschiger Bürobote, dem das Komödiantische gut liegt. Patrizia Margagliotta zieht das Publikum spätestens mit „Männer“ von Herbert Grönemeyer auf ihre Seite.

Die Bühne ist in der Regiearbeit von Yvonne Groneberg ein reduziertes Großraumbüro mit wenig Schnickschnack, aber einer langen Treppe, die zur Showbühne wird, und einem großen Kopierer, der immer wieder geschickt ins Geschehen einbezogen wird.

Kleine Highlights wie das synchrone Tippen zur Klavier-Musik von Sekretärin Thekla (Thomas Mahn, der auch die musikalische Leitung des Stücks innehat), der Kampf des Büroboten mit eben jenem Kopiergerät oder die Tanzeinlage des „Getränkekistenmannes“ machen „Sekretärinnen“ zu einem echten Vergnügen für alle, die auch an vermeintlich Trivialem Spaß haben.

„Respect“ fordern die singenden Sekretärinnen; der Respekt der (meisten) Zuschauer war ihnen nach der Vorstellung sicher. Und bei den Zugaben durfte dann auch Thomas Mahn in Frauenkleidern ins Scheinwerferlicht treten und um Respekt singen.

Quelle: HNA

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