Bad Hersfelder Festspiele: „Der Kredit“ ist gelungener Spaß nicht nur für Banker

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Plötzlich auf einer Ebene: Der Filialleiter (Markus Majowski, links) und sein Kunde Anton Herberg (Rudolf Krause) in „Der Kredit“. Die Inszenierung von Martin Woelffer feierte am Donnerstagabend Premiere.

Bad Hersfeld. Macht Geld eigentlich glücklich? Es macht zumindest Spaß: Denn in Jordi Galcerans Stück „Der Kredit" sorgt der Wunsch nach einer Finanzspritze für ordentlich Durcheinander auf der Bühne.

Der Machthaber wird plötzlich zum Bittsteller, Vorschriften stehen Emotionen gegenüber.

Die Inszenierung von Martin Woelffer, die am Donnerstagabend Premiere auf der Spielwiese neben der Stiftsruine feierte, ist ein gelungenes, kurzweiliges und lohnendes Vergnügen - nicht nur für Banker und Kreditnehmer.

Als Filialleiter und Kunde Anton Herberg stehen sich Markus Majowski und Rudolf Krause gegenüber, beides bekannte Festspieler.

Herberg beantragt einen Kredit, doch weil er nicht die nötigen Sicherheiten mitbringt, lehnt der Filialleiter ab. Ein ganz normaler Vorgang, eigentlich. Doch Herberg ist hartnäckig. Er droht dem Banker, dessen Frau Laura zu verführen, sollte er das Geld nicht bekommen. Und als der zunächst unbeeindruckte scheinende Filialleiter seine Frau warnen will, wirft diese ihn raus - offenbar wütend darüber, ihrem Mann nicht mehr wert zu sein als läppische 3000 Euro.

Jetzt kann der Spaß erst richtig losgehen. Ein rasantes Wechselspiel entwickelt sich, ein Hin und Her, ein Psychoduell, die Kräfteverhältnisse verschieben sich. Vor allem im zweiten Teil nimmt das Stück noch einmal an Fahrt auf.

Krause mimt den mittellosen, aber wortgewandten Frauenversteher in weißen Socken, mit Jutebeutel und einer Vorliebe für schöne deutsche Worte wie Finte oder Münchhausiade. Majowski den seriösen Zahlenmenschen im gut sitzenden Anzug mit Haus, Ehefrau und Kindern. „Der Kredit“ ist ein Kammerspiel, in dessen Mittelpunkt die Dialoge stehen, Wortwitz und überraschende Wendungen. Vor allem Majowski kann in „Der Kredit“ sein komödiantisches Talent unter die Beweis stellen.

Heiter mit ernsten Momenten 

In das Machtspiel der Protagonisten mischen sich Diskussionen um die Seriosität der Banken, die neoliberale Finanzwirtschaft, um Leidenschaft und Vertrauen. Das heitere Vergnügen ist gespickt mit kurzen, ernsten Momenten. Dass der Filialleiter am Ende doch einen Namen hat, macht ihn um einiges menschlicher.

Das Bühnenbild ist interessant und reduziert. Die Kulisse mit ihren klaren Strukturen und einem überlangen Schreibtisch, der immer wieder ins Spiel einbezogen wird, zaubert ein modernes Büro auf die grüne Wiese.

Einen lokalen Bezug bekommt das Ganze mit Anspielungen auf Bebra, sehr zur Freude des Publikums, das sich darüber ordentlich amüsierte.

Am Schlagzeug setzt Matthias Trippner Akzente, als Sekretärin tritt Rieke Warzog auf.

Einen gelungenen Kurzauftritt aus dem Publikum heraus hatte der künstlerische Leiter der Festspiele, Joern Hinkel.

Nicht immer einwandfrei war bei der Premiere der Ton. Ein Versprecher, ein Hänger: geschenkt. Das Premierenpublikum spendete minutenlangen Applaus, auch Intendant Dieter Wedel erhob sich von seinem Platz.

Quelle: HNA

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