Gerichtsverfahren gegen widerspenstigen Dieb eingestellt

Gerichtsverfahren eingestellt: Rabiater Rentner ist schwerkranker Mann

Bad Hersfeld. Mit strafrechtlichen Mitteln war gestern vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld der Fall eines rabiaten Rentners, der nach mehreren Altmetall-Diebstählen in Rotenburg auf der Flucht einen Streifenwagen der Polizei gerammt hatte, nicht zu lösen.

Denn erst im Gerichtssaal stellte sich heraus, dass es sich bei dem 69-jährigen aus Morschen um einen offenbar schwerkranken Mann handelte. Das Verfahren wurde eingestellt.

Dabei ließ die Anklage von Staatsanwalt Heiko Heppe zunächst auf einen überaus koordinierten Täter schließen: In der Nacht zum 14. März vergangenen Jahres hatte der Rentner aus mehreren Rotenburger Gartenhütten sowie aus dem städtischen Bauhof in insgesamt fünf Fällen Kupferkessel und anderes Altmetall sowie Kabel und Lichtschalter gestohlen. Der Wert der Beute betrug mehr als 600 Euro.

Vor einer drohenden Polizeikontrolle auf der Bundesstraße 27 bei Lispenhausen flüchete der Morschener Richtung Herz- und Kreislaufzentrum. Nachdem er einen ihn verfolgenden Streifenwagen auf der Heinz-Meise-Straße zum Ausweichen auf den Gehweg zwang, konnte der Rentner zunächst entkommen. Kurz darauf stellte ihn jedoch eine zweite Streife in der Nähe. Als ein Polizist den Kupferdieb zum Aussteigen aus seinem Pkw bewegen wollte, gab dieser plötzlich Gas, rammte den Streifenwagen und beschädigte ihn erheblich.

Erst im Nachhinein und nicht zuletzt durch die Einschätzung einer Rechtsmedizinerin in der gestrigen Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass der alte Herr zur Tatzeit unter einer Fehleinstellung seiner Zuckerkrankheit litt und der daraus resultierende organische Abbau wohl auch eine Wesensveränderung bis hin zur Demenz bewirkt haben könnte. Auch nach einer zwischenzeitlichen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus war der 69-Jährige ohne weitere Maßnahmen wieder nach Hause geschickt worden.  

Quelle: HNA

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