Freispruch für Hersfelder, der Freundin und Tochter geschlagen haben soll

Urteil: Angriff gegen Freundin und Tochter nicht nachweisbar

Bad Hersfeld / Fulda. Sind der Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer mittlerweile verlobt oder nicht? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Verhandlung des Amtsgerichts Fulda gegen einen 44-Jährigen aus Bad Hersfeld. Er wurde gestern vom Vorwurf der Körperverletzung in zwei Fällen freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft erhob schwere Vorwürfe gegen den angeklagten Hartz-IV-Empfäger: Er soll seine heute 35 Jahre alte frühere Lebensgefährtin und die gemeinsame, heute 14 Jahre alte Tochter im vergangenen November schwer misshandelt haben. Laut Anklage, die sich im Wesentlichen auf die Aussage der Tochter vor der Polizei stützte, besuchte der Hersfelder seine damalige Freundin in ihrer Wohnung. Über die Frage, ob sie einen neuen Liebhaber hat, sei es zu einem heftigen Streit gekommen.

Zunächst habe der Angeklagte die Frau geschlagen. Als sich die Tochter vor die Mutter stellte, soll er dem Kind mindestens viermal kräftig mit der Faust auf den Kopf geschlagen haben. Danach soll er die Mutter zu Boden geworfen und ihren Kopf fünf- bis siebenmal auf den Boden geschlagen haben. Zudem soll er sie mit beiden Händen gewürgt haben.

Vor dem Jugendschöffengericht lehnte der mehrfach vorbestrafte Mann jede Aussage zur Tat ab. Er verwies aber darauf, dass er mittlerweile mit seiner früheren Lebensgefährtin verlobt sei. Diese Frage ist wichtig, weil das mutmaßliche Opfer dann ein Zeugnisverweigerungsrecht besitzt. Die Tochter muss ohnehin nicht gegen ihren Vater aussagen.

Wann genau die Verlobung gewesen sei, wisse er nicht, sagte der Angeklagte. Vermutlich vor vier bis sechs Wochen. „Was soll ich denn von ihrer Behauptung halten, wenn Sie nicht einmal wissen, wann die Verlobung gewesen sein soll?“, fragte Staatsanwalt Harry Wilke. „Das ist mir egal“, gab der Angeklagte zurück.

Schließlich schilderte er doch die Umstände des Verlöbnisses: Sie hätten mit der Familie das Eheversprechen gefeiert. Einen Ring hätten sie nicht ausgetauscht. Seitdem komme seine Verlobte mit vier Kindern jedes Wochenende von Fulda nach Bad Hersfeld zu Besuch.

Die Frau schilderte die Umstände anders: Es habe keine Feier gegeben, der Angeklagte habe ihr einen Ring geschenkt. Sie habe nicht die Mittel, ihn regelmäßig zu besuchen. Beide seien aber entschlossen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen und später zu heiraten.

Die Kammer unter Richter Christoph Mangelsdorf ging von einem bestehenden Verlöbnis aus. Daraufhin nutzten die 35-Jährige und die Tochter ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Die Angaben der Polizistin, die die Aussage der Tochter aufgenommen hatte, durfte damit nicht genutzt werden.

Weil die Tat somit nicht nachzuweisen war, sprach das Gericht den Angeklagten frei. Das hatten Verteidigung und Staatsanwaltschaft beantragt.

Von Volker Nies

Quelle: HNA

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