Carl von Hoff, der aus Breitenbach stammte, wurde einst vom belgischen König geehrt

Der Helfer der Bergleute

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Hohe Ehre: Belgiens König Baudouin, links, der 1993 starb, zeichnete den gebürtigen Breitenbacher Carl von Hoff aus.

Breitenbach. Der Wechsel auf dem Königsthron in Belgien vor zwei Wochen hat Günter Eckhardt an ein altes Foto in seinem Besitz denken lassen. „Der Vorgänger des Königs Albert, der jetzt abgedankt hat, war dessen Bruder, König Baudouin“, erzählt Eckhardt. „Und der hat einen Mann aus Breitenbach geehrt.“

Günter Eckhardt kennt sich aus in der Historie seines Heimatdorfs. „Ich sammle Bilder über Breitenbach“, sagt er bescheiden. Eines der Fotos hält er jetzt in den Händen. Es zeigt König Baudouin von Belgien, wie er einem Mann einen Orden anheftet: Carl von Hoff. Es ist das Ritterkreuz zum Leopoldsorden. Das Bild stammt aus dem Jahr 1959.

Nicht die einzige Ehrung, die dem 1894 in Breitenbach geborenen und 1969 in Essen gestorbenen von Hoff zuteil wurde. Er erhielt auch das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und das Ritterkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik.

Wer war dieser Mann? Carl von Hoff war Sohn des Breitenbacher Gutsbesitzers K. v. Hoff. Er wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er auf einem U-Boot fuhr, dem Bergbau zu. Einem Artikel aus den Hessischen Nachrichten (HN), dem Vorläufer unserer Zeitung, vom 6. April 1959 zufolge fuhr er zwei Jahre unter Tage, um dann im Verein für bergbauliche Interessen in Essen in der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen zu arbeiten. Dabei befasste er sich mit der technischen Entwicklung neuer Gasschutzgeräte.

Bereits 1924 hatten die Kumpel daher sicher arbeitende Sauerstoff-Kreislaufgeräte zur Verfügung - wichtig für die Bergleute, die oftmals unter Tage giftigen Gasen ausgesetzt waren. Auch der zu jener Zeit entwickelte Kohlendioxid-Filter-Selbstretter erlangte Bedeutung. Von Hoff half zudem, die Grubenrettungsstelle in Essen-Kray aufzubauen.

Häufig war Carl von Hoff bei Grubenunglücken als Experte selbst vor Ort. Schon 1926 wurde ihm daher die Lebensrettungsmedaille am Bande verliehen, heißt es in dem HN-Artikel weiter.

Nach dem 8. August 1956 wurde er auch zu dem schrecklichen Unglück in der belgischen Grube Bois du Cazier hinzugerufen, wie die HN kurz meldet. 262 Bergleute starben - es heißt aber, dass Carl von Hoffs Wissen und seine Geräte für viele Angehörige der Grubenwehr bei deren Rettungsversuchen überlebenswichtig waren. Dafür wurde er vom belgischen König 1959 ausgezeichnet.

Carl von Hoff starb am 25. März 1969. Günter Eckhardts Wissen nach war er kinderlos. Auch über weitere Verwandte des Breitenbachers weiß er nichts. Einmal hat er ihn persönlich getroffen, erinnert sich Eckhardt: „Ein feiner Mann.“ (rai)

Hintergrund

Das Unglück von Bois du Cazier

Der 8. August 1956 markierte den traurigsten Tag in der Geschichte des belgischen Kohlebergbaus. Bei einem Brand im Bergwerk Bois du Cazier nahe dem Ort Marcinelle kamen 262 Bergleute ums Leben. Ursache war ein Kurzschluss, durch den sich Öl entzündete. Die Hälfte der Toten waren Italiener. Der Zuzug italienischer Bergarbeiter nach Belgien kam als Folge des Unglücks fast komplett zum Erliegen. Die Grube wurde 1967 geschlossen. (rai)

Quelle: HNA

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