Es begann an der Fulda

Helene und Kurt Dürnbeck aus Rotenburg haben vor 75 Jahren geheiratet

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Haben beide in jungen Jahren ihre Mütter verloren, in schwerer Kriegszeit früh „gefreit“ und immer gerne gearbeitet: Die 95 Jahre alte Helene, genannt Leni, Dürnbeck und ihr 99 Jahre alter Ehemann Aurel, genannt Kurt, begehen heute in Rotenburg das seltene Fest der Kronjuwelenhochzeit.

Rotenburg. Aurel Dürnbeck hätte fast noch Kaiser Franz Josef erlebt. Seine Frau Helene sollte als erste Frau in den Magistrat der Fuldastadt gewählt werden. Beides hat nicht geklappt, aber heute können sie das seltene Fest der Kronjuwelenhochzeit feiern: Seit 75 Jahren sind sie verheiratet.

„Schuld“ daran ist, eine Freundin der am 18. Januar 1922 in der Brückengasse als Gertrud Helene Schmidt geborenen Rotenburgerin. Im Kriegsjahr 1940 animierte sie die 18-Jährige dazu, mit ihr spazieren zu gehen. An der Fulda stellte sie ihr zwei Soldaten vor. Einer davon war der am 26. Dezember 1916 an der österreichisch-ungarischen Grenze auf einem Bauernhof auf die Welt gekommene Aurel. Er war zur Wehrmacht einberufen und kurzzeitig nach Rotenburg versetzt worden. Seine Kameraden hatten ihm den Namen Kurt verpasst und als solchen lernte Helene ihn kennen und lieben.

Da Krieg war, diverse Abstammungsurkunden, Zeugnisse und für jede deutsche Ehefrau sogar eine Art Gebärfähigkeitsnachweis vorgelegt werden mussten, und da auch das Rotenburger Standesamt nicht immer Zeit für Trauungen hatte, blieb dem 24-Jährigen und der 19-jährigen Braut heute vor 75 Jahren nichts anderes übrig, als auf die Schnelle mit kurzfristig besorgten Trauzeugen, zu heiraten. Mit den Zwillingen Erika und Karl Heinz stellte sich schon bald Nachwuchs ein. Aurel wurde mit seiner Einheit im Januar 1945 in Ostpreußen eingeschlossen, schwer verwundet, nach Danzig ins Lazarett verlegt und im November 1945 nach Hause entlassen.

Nach dem Krieg arbeitete Aurel zunächst auf einem Bauernhof. Weitere berufliche Stationen waren die Baufirma Münscher, die Flottwerke und die Standortverwaltung. Seit 39 Jahren ist er SPD-Mitglied, seit 70 Jahren Mitglied des Rotenburger Sportvereins. Ein weiteres großes Hobby war die Arbeit im Garten des Hauses an der Schönen Aussicht.

Helene war als Waldarbeiterin und in der Küche des Rotenburger Jugendhofes sowie 14 Jahre lang als Leiterin der Küche des Internats der Jakob-Grimm-Schule tätig. Nach dessen Auflösung arbeitete sie bis 1985 bei der Kreisverwaltung, bei der sie sich im Personalrat für ihre Kollegen engagierte. Acht Jahre lang übte sie das Ehrenamt einer Jugendgerichtsschöffin aus, und viele Jahre gehörte sie ab 1969 der SPD in Stadt- und Kreisparlament an. Darüber hinaus war sie leidenschaftliche Stickerin und Strickerin, die fünf Enkelkindern, die mit den acht Urenkelkindern heute zu den Gratulanten zählen, Norweger-Pullover gestrickt hat.

„Wir haben gute und schlechte Zeiten erlebt, immer gern gearbeitet und uns immer mit all unseren kleinen Fehlern angenommen“, resümiert die Kronjuwelenbraut. Vielleicht liegt darin der Schlüssel für ein erfülltes Leben, über das Enkelin Susan Röse, die als Autorin arbeitet, das Buch „Eine ganze Ewigkeit - Ein Rezept für 75 Jahre Eheglück“ geschrieben hat, das sie ihren Großeltern heute überreicht.

Quelle: HNA

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