Heimat ist für jeden anders: Theaterverein Kulisse überzeugte bei Premiere

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Nur fürs Foto in der Gruppe: Die Schauspieler des Theatervereins Kulisse verteilen sich bei ihrer neuesten Produktion auf besondere Spielstätten in der Stadt. Ganz nach dem Titel des Stücks „Heimat – Ein Spaziergang“ ist das Publikum viel unterwegs. Fotos: Schäfer-Marg

Rotenburg. Sechs Spielstätten, ein gespanntes Publikum und eine gut aufgelegte Schauspieler-Riege des Theatervereins Kulisse: Die Premiere des neue Stückes "Heimat. Ein Spaziergang" ist gelungen.

Rotenburg. Heimat - das kann so vieles bedeuten. Für den einen ist es dort, wo er mit seiner Familie lebt, für den anderen dort, wo er seine Jugend verbracht hat und geschichtlich verwurzelt ist. Der Dritte verbindet Heimat schlicht mit ahler Wurst. Um Heimat dreht sich auch alles in der neuesten Produktion des Rotenburger Theatervereins Kulisse, die am Samstag Premiere hatte und das Publikum sehr berührte.

Wenn Zuschauer und Schauspieler am Ende des Theaterabends gemeinsam „Kein schöner Land“ singen, geschieht das voller Inbrunst, wirkt aber dennoch wie eine ironische Brechung. Denn hinter allen liegen Szenen, die sich mit deutscher Geschichte und Gegenwart befassen, mit Mentalität und Glaubensfragen und mit Menschen, die die Sehnsucht nach Heimat eint - an ihrem Herkunftsort oder an neuer Stelle.

Da sind die drei Mädchen aus Migrantenfamilien (Louisa und Lilly Klöpfel und Kira Sandrock), die verzweifelt versuchen, in dieser neuen Heimat anzukommen und deren Familien (Mutter: Mirka Bingemann) sich ebenso verzweifelt zurücksehnen in die alte Heimat. Und da ist der Penner (Andreas Wolf), der einen intensiv teilhaben lässt am Leben im Schatten der Wohlstandsgesellschaft.

Das Publikum, in kleinen Gruppen von „Reisebegleitern“ zu den Spielstätten geleitet, trifft auf die Brüder Grimm (Irina Schade und Sarah Ullmann), die sich selbst genügen, aber heftig und mit spitzer Zunge darüber streiten, dass einer heiraten müsse - zwecks mehr Bequemlichkeit für beide. Die Zuschauer verfolgen die Diskussion zwischen dem Schuster Wilhelm Voigt (Jörg Stenpin) und dem Oberkommissar (Christian Grunwald), die den Widerspruch zwischen Menschlichkeit und Menschenverstand sowie Bürokratie und Obrigkeitsstaat aufzeigt.

Schließlich trifft man auf Marlene Dietrich (Heike Ronsdorf-Holstein) - die große Schauspielerin, die im Exil lebte, dafür gehasst wurde, ihre Heimat gleichzeitig liebte und verachtete. Sie erzählt einem Reporter (Jörg Schrumpf) von dieser Zeit.

Im Jenseits streiten sie über den vermeintlich richtigen Glauben, über ein Leben nach dem Tod, sind verzweifelt und gebrochen: der Atheist (Jürgen Völlkopf), der Muslim (Torsten Schmuck), der Christ (Nils Kastenhuber) und das Mädchen (Layla Schmuck), das einfach nur zurück ins Leben will.

Die Spielstätten seien an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Sie sind passend ausgewählt und überraschen anfangs. Am Ende steht der Ausgangsort: Der Sitzungssaal des Rathauses. Hier runden Lieder und Gedichte diesen Heimatabend der ganz besonderen Art ab. Das Publikum applaudiert heftig und dankbar und hat noch viel zu besprechen.

Premiere des Theatervereins Kulisse in Rotenburg

Ein ganzes Regie-Team war im Einsatz: Dietrich Both, Jutta Klöpfel, Heike Ronsdorf-Holstein, Irina Schade und Heidi Valenta. Charmante Reiseleiterinnen waren Jutta Klöpfel und Heidi Valenta, Reisebegleiter waren Brigitte Herwig, Niels Holstein, Claudia Joppich-wolf, Markus Klöpfel, Jürgen Rieger, Iris Schmuck und Andrea Schidt-Rieger.

Weitere Vorstellungen: Samstag, 12. Juli, 19.30 Uhr, Sonntag 13. Juli, 18 Uhr, Samstag 19. Juli, 19.30 Uhr und Sonntag, 20. Juli, 18 Uhr.

Karten im Vorverkauf in der Buchgalerie Berge, Steinweg, und an der Abendkasse.

Quelle: HNA

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