Osteopathie kann Menschen helfen, bei denen die klassische Schulmedizin versagt

Heilung mit den Händen

Osteopathen müssen auch zupacken können: Unser gestelltes Foto zeigt Dr. Tobias Kellner und Irian Bovel im Physio-Center am Kurpark bei der Behandlung eines Patienten. Fotos (2): Struthoff

Bad Hersfeld. Selbst für gestandene Mediziner ist die Osteopathie oft „ein Buch mit sieben Siegeln“. Diese Erfahrung hat der Chirurg Dr. Tobias Kellner gemacht, der selbst derzeit eine Zusatzausbildung als Osteopath absolviert. „Der Name ist auch irreführend, viele verwechseln die Osteopathie mit der Krankheit Osteoporose – der Knochenerweichung“.

Die in Deutschland noch relativ junge ganzheitliche Behandlungsform der Osteopathie indes kümmert sich nicht nur um Knochen, sondern um den ganzen Körper. Irina Bovel, Physiotherapeutin im Physio-Center am Kurpark, ist diplomierte Osteopathin. Nach dortigen Recherchen ist sie die einzige Krankengymnastin in unserem Kreis, die auf der Therapeuten-Liste der Krankenkassen mit dem Diplom „Osteopathische Therapie“ gelistet ist.

„Die Osteopathen ‘röntgen’ den Patienten mit den Händen“, erklärt Bovel. Durch genaues Abtasten und Beobachten des Patienten können so Auffälligkeiten und Störungen erkannt werden. „Der Osteopath kümmert sich um das Zusammenspiel der einzelnen Systeme im Körper und behandelt funktionelle Probleme“, erklärt Dr. Tobias Kellner. Allein die Anamnese und die Untersuchung dauern oft bis zu einer Stunde – Zeit, die den Schulmedizinern fehlt. „Diese gründliche Untersuchungsweise habe ich im Medizinstudium so nicht gelernt“, sagt Kellner.

Dabei können dann aber auch Zusammenhänge erkannt werden, die auf den ersten Blick verborgen bleiben. Beispielsweise können Lendenwirbelbeschwerden von der Fehlbelastung durch einen verknackten Fuß herrühren. „Die Ursachen für Symptome liegen oft woanders“, wissen Bovel und Dr. Kellner. Deshalb sei es wichtig, den Körper ganzheitlich zu betrachten.

Ebenso zeitintensiv wie die Untersuchung ist auch die Ausbildung zum Osteopathen. Fünf Jahre dauert das berufsbegleitende, kostspielige Studium, das Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker absolvieren können. Allerdings ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt, es fehlen klare gesetzliche Regelungen. „Nicht jeder, der auf seinem Praxisschild mit Osteopathie wirbt, hat auch eine vernünftige Ausbildung“, warnt Dr. Kellner.

Manche Kassen zahlen

Zudem müssen die Patienten die Behandlung durch den Osteopathen meist privat bezahlen. Einige Kassen gewähren Zuschüsse. 60 bis 100 Euro kostet die einstündige Behandlung. „Nach drei bis vier Therapiesitzungen sollte der Patient einen deutlichen Fortschritt spüren“, sagt Dr. Kellner. Trotz der relativ hohen Behandlungskosten, die mit der langwierigen und teuren Ausbildung gerechtfertigt werden, verzeichnen die Osteopathen einen regen Zulauf, obwohl die Wirksamkeit der Therapie nur teilweise medizinisch erwiesen ist.

Oft helfe es dem Patienten aber schon, wenn sich der Therapeut für ihn Zeit nimmt, ihm zuhört und ihn berührt – schon das Anfassen löse viele Probleme. Der Osteopath nimmt sich diese Zeit, die in der Schulmedizin oft fehlt. Eine Spritze ist schnell gegeben. Aber auch Hände können heilen.

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

Kommentare