Ingo Appelt war mit seinem Programm „Frauen sind Göttinnen“ zu Gast in Ellis Saal

Der Heiligenschein trügt

Zeigt Zoten, Zunge und Zähne: Comedian Ingo Appelt bei seinem Auftritt in „Ellis Saal“ in Weiterode. Foto: Hörcher

Weiterode. „Was war ich früher für eine kleine Dreckssau“, beginnt Ingo Appelt seinen Auftritts in Ellis Saal in Weiterode. Der als Krawall-Komiker bekannt gewordene 46-Jährige gibt sich zunächst geläutert. Ein Frauenversteher sei er geworden. In Manier eines amerikanischen Gospel-Predigers ruft er Frauen sogar „Hallelujah!“-singend zu Göttinnen aus. Doch der Heiligenschein trügt: Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass er von seiner Scharfzüngigkeit nichts verloren hat.

„Früher konnte der Mann Frauen noch an den Haaren in die Höhle ziehen. Heute sind die untenrum rasiert“, erklärt er. Und: „Frauen sind nicht dick. Frauen haben Werbeflächen.“

Nein, heilig sind Appelt die Frauen nicht. Die Männer aber ebenso wenig. „Wozu braucht eine Frau heutzutage einen Mann? Weil Vibratoren nicht Rasen mähen können.“ Beide Geschlechter bekommen in Appelts Programm gleichermaßen ihr Fett weg.

Provokation ist Programm

Und nicht nur die: Er macht deftige Witze über Katholiken, Protestanten und Moslems sowie über Rentner, die er „notgeiles Friedhofsgemüse“ und „militante Grabflüchter“ nennt. Provokation ist bei Appelt Programm wie eh und jeh, um politische Korrektheit schert er sich nicht – aber genau das ist es, was das Publikum an diesem Comedian mag. Ab und zu bleibt das Lachen auch mal im Halse stecken. Appelt kostet solche Momente aus, spielt mit den Zuschauern: „Ja, was denn? Da braucht ihr jetzt nicht „Ho, ho, ho“ machen. Ihr seid aber auch empfindlich.“

Selbst vor seinen Kollegen macht Appelts Scharfzüngigkeit nicht Halt. Täuschend echt imitiert er Dieter Nuhr, in dessen Sendung „Satiregipfel“ er am Montag zu sehen war. Mario Barth bezeichnet er als „Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs. Der gehört in die Geschlossene, stattdessen füllt er Olympiastadien.“ Frauen, sagt Appelt, mögen Barth deshalb so sehr, weil er an ihnen scheitere.

Grönemeyer-Parodie

Nicht fehlen dürfen auch seine obligatorischen Parodien von Promis wie Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Marius Müller Westernhagen. Als Höhepunkt imitiert er die drei in einer Striptease-Nummer. Weil er ohnehin „in einer Tour durchquasselt“, wie er über sich selbst sagt, gibt er am Schluss keine Zugabe, sondern macht einfach weiter. Nach drei Stunden fällt der Vorhang.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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