Sechs Monate Haft auf Bewährung: Hausfrau arbeitete ahnungslos für Russenmafia

Bad Hersfeld. Wegen Geldwäsche hat die Strafrichterin am Bad Hersfelder Amtsgericht eine 41 Jahre alte Hausfrau aus dem Werratal zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Sie soll unter ominösen Umständen gekaufte Waren an die Russenmafia weitergeleitet haben. Die Mutter von drei Kindern war im März und April 2012 als sogenannte Paketagentin für ein dubioses Unternehmen tätig, das mit erschlichenen Kundendaten im Online-Handel Waren wie Smartphones, Uhren oder Bekleidung bestellte und über Mittelsleute ins Ausland - meist nach Russland - weiterleiten ließ.

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Im Falle der Frau aus dem Werratal wurde dabei innerhalb kürzester Zeit ein Schaden von mehr als 17.000 Euro angerichtet. Die Hintermänner dieser mutmaßlich von der Russen-Mafia initiierten Geschäfte bleiben meist unerkannt im Dunkeln.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich einig, dass in der Angeklagten eher ein Opfer als eine Täterin zu sehen sei. Sie hatte sich angesichts des Arbeitsvertrages, der ihr 30 Euro je Paket und 400 Euro monatliches Festgehalt in Aussicht stellte, sogar bei Verbraucherberatung und Mini-Job-Zentrale nach der Seriösität ihres Arbeitgebers erkundigt, auf den sie über ein Stellenangebot im Internet aufmerksam geworden war.

Die bislang von Hartz IV lebende Hausfrau hatte gehofft, durch diese Arbeit der Bedürftigkeit zu entrinnen und gleichzeitig zuhause ihre Kinder betreuen zu können.

Während ihr Verteidiger Dieter Gehb einen Freispruch forderte, sahen Oberamtsanwalt Berthold Hartung und Richterin Silvia Reidt die Hausfrau bei aller Naivität nicht ohne Schuld: Weil in einigen Päckchen Waren im Wert von lediglich etwa 100 Euro waren, hätte die Agentin bei der ihr in Aussicht gestellten Provision von 30 Euro etwas ahnen müssen.

Hintergrund: Das Internet macht’s möglich

Straftaten wie die geschilderte Betrugsmasche werden durch das Internet erst möglich gemacht: Mit einer Spionagesoftware erschleichen sich die Hintermänner Kunden- und Kreditkartendaten und kaufen damit bei Online-Versandhändlern ein.

Die vorher rekrutierten Paketagenten erhalten einige Wochen lang jede Menge Pakete, die sie umadressieren und ins Ausland weiterleiten. Weil der Schwindel zwangsläufig auffliegt, steht bei den Strohmännern und -frauen bald schon die Polizei vor der Tür.

Die Drahtzieher sind selten zu ermitteln. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind solche Fälle laut Polizei allerdings die Ausnahme.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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