Pachtvertrag nach 26 Jahren gekündigt

Jugendbegegnungsstätte geschlossen

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Abschied für immer: Stephanie Weber-Bachmann, links, ihr Mann Wilfried Bachmann und Kornelia Weber aus Obersuhl haben als Erinnerung ein Geschenk der nordhessischen Jusos behalten. Die Jusos hatten ihnen eine Collage aus Fotos von ihren Tagungen in der Jugendbegegnungsstätte zusammengestellt. „Danke für 20 wunderbare Jahre“ haben sie darauf vermerkt. Zu viel Lob ist den Pächterinnen schon fast peinlich. „Wir haben einfach nur unsere Arbeit ordentlich gemacht“, sagen sie.

Obersuhl. Jetzt können sie wieder lachen. Es ist ein warmes, liebevolles Lachen. Und doch liegt darin auch Wehmut. Stephanie Weber-Bachmann und Kornelia Weber gehen ein letztes Mal an den Betten, Regalen und Kochtöpfen in der Jugendbegegnungsstätte in Obersuhl vorbei.

Die Geschichten, die die Schwestern in 26 Jahren erlebt haben, sprudeln aus ihnen heraus. All die Jahre war die Begegnungsstätte ihr zweites Zuhause.

Am 30. Oktober kam die Hiobsbotschaft: Ein Vertreter der Gemeinde Wildeck überbrachte die Kündigung des Pachtvertrages zum 31. Januar 2013.

Offiziell vorgewarnt hatte sie niemand. „Nachdem wir die Begegnungsstätte so lange betrieben haben, wäre es doch nur fair gewesen, uns in die Überlegungen für ein neues Nutzungskonzept mit einzubeziehen“, finden die beiden Frauen. Sie sind enttäuscht und verärgert.

So viele Jahre lang hatte sich das Duo ins Zeug gelegt: für Frühstück, Mittag- und Abendessen gesorgt, die Gäste empfangen und verabschiedet, geputzt, Rasen gemäht, die Hecken geschnitten, kleine Reparaturen erledigt und Probleme der Besucher gelöst. Sie strichen die Wände, wenn es nötig war, und hängten Bilder und Fotos auf, um es wenigstens ein bisschen gemütlich zu machen. „Wenn es hier rundging, waren wir von morgens 7 bis abends 22 Uhr im Einsatz“, erzählt Kornelia Weber.

Oft ging es rund

Und rund ging es oft. Über 40 Stammgruppen aus ganz Deutschland kamen immer wieder mit 20 bis 40 Teilnehmern: Sportler, die trainierten, Tanzgarden, Konfirmanden, Gewerkschaftler, Schulklassen und sogar Familien trafen sich. 40 Gästen standen zehn Zimmer zur Verfügung.

Die Gruppen konnten das Leichtathletik-Stadion mit Sportplatz, die Großsporthalle, den Fußballplatz, das Hallen- und Freibad und den Tennisplatz mit nutzen.

Trüffel und Wurscht

Betten, Schränke, Tische oder Matrazen – das meiste stammt noch von der Erstausstattung in den 70er-Jahren. „Die Gemeinde hat nur so viel wie unbedingt nötig investiert“, berichten die Pächterinnen.

Die Zusammenarbeit mit den Vereinen und der Schule habe gut funktioniert. Die Gäste kamen wieder – trotz der unmodernen Ausstattung, weil sie so gut betreut wurden. Und immer hatten die Gruppen eine kleine Überraschung als Dankeschön im Gepäck: „Einen Blumenstrauß, ein Wurschtpaket oder eine Tüte mit Trüffeln“, erzählt Stephanie Weber-Bachmann.

Die große Freiheit

Viele Gruppen reagierten enttäuscht und mit Unverständnis auf die Schließung. „Mit Ihnen verliert das Haus seine Seele“, schreibt eine Sportlergruppe aus Bad Emstal. Es gefiel der Gruppe auch deshalb, weil es „so gut wie keine Hausordnung und nie ein Wort der Maßregelung von Ihnen gab.“

„Selbstverständlich können Sie sich bei der neuen Ausschreibung wieder bewerben“, teilte die Gemeinde Wildeck den Pächterinnen mit. Doch so, wie Stephanie Weber-Bachmann und Kornelia Weber behandelt wurden, ist für sie klar: „Das war’s!“

Von René Dupont

Quelle: HNA

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