Leandra Sandrock erlebte den Girls’ Day als Schornsteinfegerin

Mit Haspel gegen Ruß

Über den Dächern von Rotenburg: Leandra Sandrock – Zweite von rechts – verbrachte einen Tag mit Schornsteinfegerin Manuela Schulz-Brall, Zweite von links. Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, die Auszubildenden Lena Giebel und Marina Petersdorff sowie Bezirksschornsteinfegermeister Rainer Brall und Geselle Andreas Rübenstahl – von links – nahmen sie in Empfang. Foto: Achim Meyer 

Rotenburg. Leandra Sandrock hat sich extra eine schwarze Hose angezogen, eine schwarze Jacke und ein schickes weißes Halstuch hat Manuela Schulz-Brall der 13-jährigen Siebtklässlerin mitgebracht. Leandra hat sich entschieden, den sogenannten Girls’ Day, einen bundesweiten Aktionstag, der Mädchen an klassische Männerberufe heranführen soll, mit Schornsteinfegerin Schulz-Brall zu verbringen.

Der Weg führt die beiden zum Rotenburger Jugendhof, wo sie sich in den Heizungskeller begeben. Zahlreiche Rohre, Regler, Anzeigen und ein großer orangener Metallkasten warten hier – die Gasheizung. Manuela Schulz-Brall macht sich an einem Tastenfeld an der Heizung zu schaffen, packt eine Mappe mit Karteikarten aus, befestigt ein handtaschengroßes Messgerät und führt eine Sonde durch ein Loch in das Abgasrohr ein.

Es gilt, den CO2-Gehalt des Abgases zu messen und seine Temperatur. Während der Arbeit verrät Brall ihrer Praktikantin ein Geheimnis aus ihrem Beruf: Die Kleidung, die der Schornsteinfeger beim Fegen trägt, wird nur einmal im Jahr gewaschen. Es verfängt sich ohnehin jeden Tag neuer Ruß in den Sachen. Kein Wunder, dass Brall schon früh am Morgen schwarze Hände hat.

Leandra meint es ernst mit ihrem Praktikum heute. Seit der vierten Klasse will sie Schornsteinfegerin werden. Damals hat sie zu Hause zugeguckt, wie der freundliche Schornsteinfeger aufs Dach geklettert ist, das hat ihr gefallen.

Am Morgen hatten Bezirks-schornsteinfegermeister Rainer Brall und die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz Leandra in Empfang genommen. Brall hatte erklärt, dass sein Beruf heute durchaus etwas für Frauen sei, da die körperliche Anstrengung zurückgegangen sei. Die schweren Kugeln würden heute kaum noch benutzt. Künholz hofft, dass der Girls’ Day hilft, Vorurteile abzubauen. Sie verriet, dass sie gerne Schreinerin werden wollte. Die Eltern hatten gesagt: Das ist nichts für Mädchen.

Leandra und Manuela Schulz-Brall schieben jetzt die Haspel, eine Art Besen an einer Schnur, den Schornstein hinauf. Bis zum Ende des Tages werden die beiden noch in über zehn Häusern die Heizungsanlagen prüfen und säubern.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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